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6.6.2008 09:25

Der Knödel ist rund: PROFIL über Rudi's Beisl - das fußballaffine Wiener Wirtshaus

  • Rezept: Christian Waneks Eierschwammerlgulasch
  • PROFIL: Klaus Kamolz über wunderbare Küche

Sorry, aber ohne Fußball läuft derzeit gar nichts, deshalb bin ich mit Christian Wanek verabredet, um eine sagenhafte Beisl-Erfolgsgeschichte, die von Beginn an zwischen Rasen und Herd oszillierte, aufzurollen. Seit acht Jahren betreibt der 46-jährige Koch "Rudi's Beisl" in Wien; im Mai 2000 hat er es vom Gründer Rudi Stark übernommen. Und schon beim Betreten wird klar, wer sich hier, vor hellastavernenblauen Lamperien sitzend, wohlfühlt.

An den Wänden: Wanek mit Legenden; Hans Krankl, Herbert Prohaska, Toni Polster. Auf der Theke: ein Gartenzwerg im Rapid-Dress; der Wirt ist schon als kindlicher Fan im alten Rapid-Stadion Pfarrwiese grünweiß getauft worden.

Kochen im Juni wird ein aufreibender Job für Christian Wanek werden, noch aufreibender als sonst, was wohl auch am Fernseher über der Theke liegen wird. Schon jetzt klingelt dauernd das Telefon, und Wanek jongliert vor dem Saalplan an der Küchentür mit Tischbestellungen; Public Viewing in Beisl-Atmosphäre mit perfekter Wiener Küche hat doch was. Unterstützt von nur zwei Helferinnen schaufelt Wanek pausenlos frische, oft saisonale Hausmannskost in die Stube. Und auch wenn jetzt die Zeit anbricht für sein verblüffend simples, aber fantastisches Eierschwammerlgulasch, so sagt er: "Tafelspitz, Zwiebelrostbraten und dann Schnitzel, das ist hier die ewige Rangliste."

Bloß die Vereinsfarben hat "Rudi's Beisl" im Lauf seiner 25-jährigen Geschichte einmal gewechselt: von violett nach grün. Gründer Rudi Stark war nämlich einst Profi bei der Wiener Austria, und den Gipfel seiner Laufbahn erklomm er am 31. Oktober 1961, als er im Europacup-Heimspiel gegen Benfica Lissabon den Ball aus 25 Metern zum 1:1 im Netz versenkte. Im Archiv der Wiener Austria wird der Triumph des späteren Beislgründers so beschrieben: "Er warf sich zu Boden, küsste die Stelle, wo er seine Bombe abgefeuert hatte, und hörte dabei ein Toben, als täte sich die Erde auf." Mal sehen, ob ähnliche Szenen demnächst in "Rudi's Beisl" über den Bildschirm flimmern. Christian Wanek jedenfalls glaubt, dass in seinem Wirtshaus mehr als drei Österreich-Spiele zu sehen sein werden: "Sofern die Mannschaft beherzigt, was Ernst Happel einmal gesagt hat: Du derfst kan Beistrich in der Hosn haben, wennst außerennst."

Rezept: Christian Waneks Eierschwammerlgulasch
120g fein gehackte Zwiebeln in 6 EL Olivenöl goldbraun rösten, 1 Messerspitze Paradeismark dazugeben, durchrühren, 10g Paprikapulver edelsüß einrühren, nochmals kurz durchrösten und mit 1/4 Liter Kalbs- oder Hühnerfond aufgießen. Kurz aufkochen und mit Salz, weißem Pfeffer aus der Mühle, 1 Prise gemahlenem Kümmel, geriebener Schale von 1/2 Zitrone und 1 Messerspitze fein gehacktem Knoblauch würzen. 1/16 Liter Sauerrahm mit etwas heißer Sauce verquirlen und einrühren. 1/32 Liter Obers dazugießen. Kurz kochen, mixen und durch ein feines Sieb passieren. 1 Kilo Eierschwammerln putzen, grob schneiden und in Olivenöl anrösten, bis die austretende Flüssigkeit verdampft ist. Pilze salzen und mit der Sauce aufgießen. Kurz kochen lassen, nochmals abschmecken und mit Semmel- oder Serviettenknödeln servieren.

Restaurant "Rudi's Beisl"
Wiedner Hauptstraße 88, 1050 Wien;
Tel.: 01/544 51 02;
Sa., So., Fei. geschlossen;
Hauptgerichte: 5,90 bis 15,80 Euro

6.6.2008 09:25
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