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18.6.2009 15:08

Nach Grinzing auf ein gepflegtes Pils: Nach Wein avanciert jetz Bier zum Kultgetränk

  • Gambrinus schlägt Bacchus, Bierglöckl & Brauwelten
  • PLUS: Leckeres Rezept für Bieramisu nach Sacher-Art

Wer noch vor zehn Jahren prophezeit hätte, dass ausgerechnet die Heurigenmetropole Grinzing dereinst zu einem Mekka zeitgemäßer Bierkultur werden würde, der hätte vermutlich einen Lacherfolg erzielt. Und auch beim Namen Figlmüller dachte man keineswegs an Schnitzel und Bier, sondern an Schnitzel und Wein.

Gambrinus schlägt Bacchus
Wer den ehemaligen Treffpunkt hofrätlicher Weinbeißer und mosernder Rebläuse in Wiens Weinrefugium Grinzing heute betritt, der wird seinen Augen nicht trauen. Wein - noch dazu ziemlich guter - wird zwar auf Verlangen auch ausgeschenkt, doch im Mittelpunkt der ebenso chic wie zeitgemäß umgebauten alten Weinschenke stehen das in einer Wiener Brauerei eigens für Bierfreak Hans Figlmüller gebraute naturtrübe Hausbier, das karamellig-malzige "Rote Zwickl", das prickelnd-hopfigherbe Pils, ein Dunkles, ein "G'mischtes" und - als Gaststar aus der Bierstadt München - ein obergäriges Weißbier. Alle diese Biere werden sorgsam (d. h. in Etappen und mit viel Zeitaufwand) gezapft, damit der Schaum nicht in sich zusammenfällt, sondern ein "cremiger Krapfen" das Bier möglichst bis zum letzten Schluck ziert. Auch die Glaskultur ist vorbildlich. Denn längst hat sich unter Kennern ja herumgesprochen, dass jeder anspruchsvolle Biertyp - ähnlich wie jede exklusive Rebsorte - eine spezielle Glasform benötigt, damit die "Blume" des Biers sich voll entwickeln kann. Die Küche beim "Figls" streut dieser Blume zwar keine hocharomatischen Rosen, begleitet sie aber doch kongenial mit heimischen Bierküchenklassikern wie Fleischlaberln, Zwiebelrostbraten, Weißwürsten und Riesenlaugenbrezeln, aber auch mit dem exquisiten Figls-Burger, Spareribs und Mastochsen-Beefsteak.

Bierglöckl statt Weinglöckl
Womit das "Figls" mitten im "feindlichen" Weinland daran erinnert, dass vom Wiener Stephansdom schon im Mittelalter keineswegs eine Weinglocke, sondern ein "Pyrglöckl" die Sperrstunde einläutete. Eine Einrichtung, die auch den Wiener Innenstadtwirt Robert Huth erst unlängst dazu animierte, seinem kleinen Gastro-Imperium in der Schellinggasse ein Bierbeisel hinzuzufügen, das dank modernster Schank-High-Tech seinen "Rennern" aus Murau, Budweis, Obertrum, Hirt und Ottakring eine "Bierwürze" entlockt, die durchaus mit dem Extrakt großer Weine vergleichbar ist. Dass es dazu auch noch einen achtteiligen knusprigen Ofenfleck gibt, der jede Pizza (außer vielleicht der Huth'schen im benachbarten "da Moritz") in den Schatten stellt, sei nur am Rande erwähnt.

Brauwelten statt Weinwelten
Doch nicht nur, was die Trinkkultur, auch was ihren Erlebnischarakter betrifft, ist die Bierwelt den neuerdings allenthalben boomenden "Weinwelten" dicht auf den Fersen. So hat etwa Stiegl-Boss Heinrich Dieter Kiener seiner Salzburger "Brauwelt" neben einem sehenswerten interaktiven Museum neuerdings auch eine gutbürgerlich-gemütliche Braustube im Alt-Salzburger Stil angeschlossen, die alle Stückeln spielt. "Genauso wie es zu jedem Gericht einen passenden Wein gibt", ist Kiener nämlich überzeugt, "gibt es auch zu jedem ein passendes Bier." Und dabei denkt er keineswegs nur an die Klassiker Gulasch und Schweinsbraten, sondern auch an so elaborierte Speisen wie Mousse vom jungen Maishuhnbrüstchen mit Spinat-Radieschen-Salat und Walnüssen, Kraftsuppe vom Milchkalb mit Beuschelravioli, Zweierlei vom "Untersberger Milchlamm" mit Aberseer Schaffrischkäse und Bärlauchpolenta oder Birnen-Walnuss-Schmarren und Sauerrahmeis - zu dem es vom Paracelsus-Zwickl über das süffige Goldbräu bis zum karamelligen Stieglbock eine Fülle passender Geschmacksharmonien zu erleben gibt. Mitverantwortlich für solche Gaumenerlebnisse ist einer, der genau weiß, wovon er spricht: Denn Stiegl-Braumeister Ernst Schreiner ist "nebenbei" auch ein gelernter Kellermeister und Sommelier

Rezept der Woche - Bieramisu nach Sacher-Art
Zutaten für 4 Portionen:
4 Tassen Espresso, 200 ml dunkles Weißbier, 6 cl Tia Maria (Kaffeelikör), 4 Eidotter, 60 g Kristallzucker, ½ Vanilleschote (ausgekratztes Mark), 300 g Mascarpone, 1 Blatt Gelatine, 1 Pkg. Biskotten (20-25 Stk.), 6 Scheiben Pumpernickel, Prise Salz, Kakaopulver (zum Bestreuen); für die Schokoladenmousse: 100 g Bitterkuvertüre, 50 ml Schlagobers (flüssig), 50 ml Milch, 4 Eidotter, 100 ml Schlagobers (halbsteif geschlagen)
Zubereitung:
Eidotter, Zucker, Salz und Vanillemark über Dampf schaumig rühren. In kaltem Wasser eingeweichte Gelatine ausdrücken, zugeben und auflösen. Masse in Eiswasser kalt rühren. Mascarpone löffelweise unterrühren. Milch mit flüssigem Obers aufkochen und Kuvertüre zugeben. Unter ständigem Rühren schmelzen und dann wieder abkühlen lassen. Halbsteif geschlagenes Obers unterziehen. Frisch zubereiteten Espresso mit Kaffeelikör und Weißbier vermischen. Biskotten darin tränken und kleine Auflaufförmchen damit auslegen. Dann abwechselnd Mascarponecreme und Schokolademousse darüber auftragen, glatt streichen und mit getränkten Biskotten belegen. Die oberste Lage sollte Mousse sein. Oberfläche glatt streichen und abgedeckt kalt stellen. Vor dem Servieren mit geriebenem, geröstetem Pumpernickel bestreuen und Kakaopulver darübersieben.

Die ganze Story lesen Sie im NEWS 25/09!

18.6.2009 15:08
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