Da kommt uns etwas spanisch vor: NEWS über "Austro-Tapas", Mörwald und Wörther
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Früher nannte man sie "Gabelbissen", "Imbiss", "Appetithappen" oder schlicht "Schmankerln". All diese Bezeichnungen klingen, zugegeben, ein wenig retro und nach Omas Kochbuch. Dennoch liegen größere Mengen kleiner und dafür entsprechend preisgünstiger Portionen immer mehr im
Trend. Findige Köche haben jetzt für derlei "Genüsschen" ein populäres Wort ausder spanischen Küche entlehnt: Tapas.
Der frühere Dreihaubenkoch Rudolf Grabner, der vor Jahresfrist das neu aufgemöbelte Linzer Stadtbräuhaus "Josef" mit einem spannenden Küchenkonzept völlig umgekrempelt hat, denkt dabei keineswegs an Ibero-Klassiker wie Jabugoschinken, Knoblauchgarnelen oder gefüllte Oliven, sondern vielmehr an Eferdinger Erdäpfelkas, Weizenbierbeuscherl, gebackenen Kalbskopf oder den guten alten Milchreis. Weshalb er seine Tapas im "Josef" auch "Wirtshaus-Tapas" taufte, die zwischen zwei und vier Euro kosten und durch Grabners nimmermüde Kreativität auch für ständige Abwechslung auf der Karte sorgen. In Graz hat Florian Weitzer etwa zur gleichen Zeit seine "Steirer Tapas" entwickelt, die er um sensationelle zwei Euro pro Portion anbietet. Allein der Preis macht Appetit auf mehr, und von Weitzers
Köstlichkeiten wie Hüferschwanzsemmel mit Senf und Kren, saurer Rindszunge mit Käferbohnen, Bachforelle auf Schnittlauch-Semmelkren, Rosmarinhendl oder Steirische Apfelnockerln können die Grazer seither auch kaum genug kriegen.
Das große Kochbuch der kleinen Genüsse
Der Pionier der neuen österreichischen Schmankerlküche stammt jedoch aus Salzburg und ist kein Geringerer als "Koch des Jahrzehnts" Jörg Wörther, der schon vor Jahren seinen Vierhaubentempel in Zell am See verließ, um sich typisch österreichischen "Fingerfood" erlesenster Qualität zuzuwenden. Im Salzburger "Carpe Diem" (wo mittlerweile mit Franz Fuiko ebenfalls ein einstiger Vielhauber am Werken ist) entwickelte er schon vor Jahren das viel besungene "Gourmetstanitzel" und ist seither als Konsulent für gastronomische Konzeptentwicklung international gefragt. Gemeinsam mit dem Feuersbrunner Gastro-Zampano Toni Mörwald arbeitete Wörther zwei Jahre lang auch an einem "Grundlagenwerk für eine typisch österreichische, aber zeitgemäße Imbissküche", das soeben unter dem Titel "Austro-Tapas" erschienen ist und "250 raffiniert einfache Rezepte" von geröstetem Gulaschbrot und Waller-Fischstäbchen über jüdische Hühnerleberpraline bis hin zu Blunzen-Powidl-Pofesen und Scheiterhäuferl versammelt (kurz und nebenbei bemerkt: Auch der Autor dieser Zeilen hatte die Ehre, zu diesem Ideenpool einiges beitragen zu dürfen).
Im Bild:
Tapas in Graz. "Der Steirer", Belgiergasse 1, Tel.: 0316/70 36 54, www.der-steirer.com
Tapas in Linz. "Josef das Stadtbräu", Landstraße 49, Tel.: 0732/77 31 65, www.josef.co.at
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