Winzerporträts

Alle Kanäle

26.10.2009 07:24

Mr. Wine Hugh Johnson kostet sich durchs Steirereck auf der Suche nach großen Roten

  • Der internationale Weinpapst im NEWS-Interview
  • " ... eine Fundgrube an autochthonen Rebsorten"

Seine Weinbücher in mehr als einem Dutzend Sprachen erreichen eine Auflage von dreieinhalb Millionen Stück. Und ein Winzer, der einmal in seinem „Kleinen Johnson“ – dem meistgekauften Weinführer der Welt – steht, hat fast schon so etwas wie ei ne Weltkarriere gemacht.

Außer für Wein, Gartenbau und Literatur interessiert sich der im englischen Essex lebende Hugh Johnson aber auch für klassische Musik. Besonders liebt er Haydns Streichquartette, derentwegen er im Haydn-Jahr soeben auch ins Schloss Esterházy reiste. Und weil er schon einmal da war, nutzte der heuer siebzig gewordene Weinpapst seine Zeit für eine Esterházy’sche Weinkost ebenso wie für einen Abstecher ins Steirereck – und für ein Interview mit NEWS.

NEWS: Wie fürstlich sind Österreichs Weine für Sie?
Johnson: Die ersten österreichischen Weine, deren ich mich entsinnen kann, habe ich vor Jahrzehnten im Ruster Rathauskeller getrunken. Es waren wahrhaft aristokratische Ausbrüche, wie ich sie jetzt auch im Hause Esterházy wieder trinken durfte.
NEWS: Sie schätzen an Österreich vor allem die Süßweine?
Johnson: Keineswegs nur. Meine Begeisterung gilt vor allem auch dem Grünen Veltliner, aber Österreich ist, wie ganz Mittel- und Osteuropa, eine wahre Fundgrube für autochthone Rebsorten. Ich bin
für alles offen. ...

NEWS: Wir wollen aber heute etwas von Ihnen lernen. Zum Beispiel, was Sie von den neuen önologischen Techniken wie Umkehrosmose oder Fraktionierung halten, in denen Weine künstlich aufgepeppt werden, um dichter und fleischiger zu wirken.
Johnson: Ich finde, ein guter Winzer sollte ohne solche Hilfsmittel auskommen. Ich kann aber nicht versprechen, dass ich derlei Tricks beim Kosten immer durchschaue.
NEWS: Können Sie sich einen großen Rotwein vorstellen, der ohne Einsatz von Barriquefässern auskommt?
Johnson: Sicher. Viele große Burgunder wurden so gemacht, bevor die kleinen Eichenfässer in Mode kamen. Der erste bemerkenswerte Wein in meinem Leben, an den ich mich heute noch erinnere, war ein solcher Burgunder. (Nippt an einer Tesoro-Cuvée aus den Esterházy’schen Weingütern.) Es gibt übrigens auch im Burgenland erstaunliche Rotweine.
NEWS: Was war der beste Wein, den Sie je getrunken haben?
Johnson: Die Erinnerung an einen 1899er Haut-Brion Impériale verfolgt mich bis heute.
NEWS: Wie oft trinken Sie eigentlich Wein?
Johnson: Täglich, aber nicht immer Haut-Brion.
NEWS: Und was sagen Sie als Weinliebhaber zu den in den
USA, aber auch in der EU immer deutlicher spürbaren prohibitionistischen Bestrebungen, den öffentlichen Weingenuss einzuschränken?
Johnson: Prohibitionen hat es immer gegeben. Aber tatsächlich bin ich vor allem über den Prohibitionismus der französischen Regierung und der Brüsseler EU-Behörden ernsthaft besorgt. Herr Sarkozy ist
im Begriff, das größte französische Kulturgut zu zerstören, und ich weiß nicht, warum.
NEWS: Sie begegnen so viel trockener Lustfeindlichkeit mit einer poetischen Sprache. Sie gelten ja, im Gegensatz zum US-Weinbörsianer Robert Parker jr., als Lyriker unter den Weinjournalisten.
Johnson: Ja, ich bin zu Recht als Weinpoet verschrien. Aber wer will schon rein technische Weinbeschreibungen lesen?
NEWS: Immer mehr Weinfreunde lesen die Texte gar nicht mehr, sondern begnügen sich mit Ratings und Punkten. Welches System ziehen Sie vor, 20 oder 100 Punkte?
Johnson: Ich verwende keine Punkte. Vermutlich bin ich, was Zahlen betrifft, blind. ...

LESEN Sie mehr in NEWS 43/09!

26.10.2009 07:24
Seite bookmarken bei: ? Hilfe
zurück zur Startseite