Comeback der Italo-Küche: Wie ein Wiener Nobel-Italiener zur Trend-Pizzeria wurde
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Noch vor kurzem war die Grotta Azzurra in der Wiener Babenbergerstraße ein zwar schon leicht angestaubtes, aber doch recht stattliches Symbol eleganter Wiener Italianità.
Das jahrzehntelange Stammlokal von Hannes Androsch war schon in den 70ern von einem italienischen Opernsänger gegründet worden und bot zu einer Zeit Branzino, Steinbutt, Langusten und Edel-Antipasti an, als die notorische österreichische Sehnsucht nach dem Land, in dem die Zitronen blühen, nur zwei Namen hatte: Spaghetti und Pizza.
Von der Grotta zur Pizza
Nunmehr hat die erfolgreiche apulische Gastronomenfamilie dAtri ihre Hand auf den Wiener Italo-Tempel gelegt, der lange Zeit zur Familie der noblen Drei Husaren gehörte. Nicola dAtri, der in der Wiener Schauflergasse schon seit 2004 ein äußerst erfolgreiches Restaurant führt, hat der alten Grotta gemeinsam mit seinen Söhnen Roberto und Maurizio ein tiefgreifendes Facelifting verpasst, das sowohl zeitgemäß und urban als auch zutiefst italienisch ist. Von der vorhangschweren
Grotta blieben nur noch die beiden venezianischen Lüster, die jetzt allerdings nicht mehr protzig, sondern im vervigen Trattoria-Ambiente mit seinen rot-weiß karierten Tischtüchern nur noch atmosphärisch wirken.
Der Brennpunkt des Raumes ist nunmehr im wahrsten Sinne des Wortes ein holzbefeuerter Pizzaofen, aus dem mit der langen Pizzaschaufel nicht nur knusprig, klassisch und saftig Standards wie Pizza Romana, Margherita, Capricciosa und Quattro Stagione gezogen werden, sondern auch recht muntere Innovationen wie die Pizza Pulcinella mit Kirschtomaten, Bresaola und Ricotta, eine Pizzavariante mit Büffelmozzarella und Parmaschinken oder eine schlaf fische Calzone Doppio mit zweierlei Füllungen.
Pizzaduft liegt in der Luft
Die Idee der Pizza-Renaissance ist freilich nicht ganz neu. Schon Ende der 90er bewies der Wiener Italo-Mogul Gino Barbaro einen besonderen Oregano-Riecher, indem er im Palais Esterházy aus Vesuvsteinen einen Pizzaofen errichten ließ, wo er in der Pizzeria Regina Margherita bis heute Pizzen abseits der üblichen Fast-Food-Tristesse serviert. Auch die Szene-Gastronomen Robert Huth (Da Moritz) und Stefan Gergely (Margareta) entwickelten in den letzten Jahren äußerst erfolgreiche
Pizzakonzepte der gehobenen Qualitätsstufe und sicherten der allmählich junkgefährdeten Pizza wieder ihren Platz in der zunehmend retroseligen Szene-Gastronomie. Freilich sind die Zeiten, in denen ein knisterndes Feuerchen im Pizzaofen allein schon für volle Häuser gut war, wohl ein für alle Mal vorbei. Das wissen auch Roberto und Maurizio
dAtri, auf deren kleiner, aber feiner Weinkarte keineswegs wie anno dazumal nur Soave und Valpolicella stehen. Vor allem aber gibt es auch
eine kleine schwarze Tafel, auf der jeden Tag italienische Tagesgerichte angeboten werden, die den Vergleich mit dem Stammhaus der dAtris am Michaelertor nicht zu scheuen brauchen. Die Pappardelle mit Osso-Buco-Sugo und das wunderbar saftige Kalbskotelett mit angenehm süffigem Risotto machten der Pizza jedenfalls durchaus produktive kulinarische Konkurrenz.
Pizzeria dAtri, 1010 Wien, Babenbergerstraße 5, Tel.: 01/585 24 39, www.datri.at
Regina Margherita, 1010 Wien, Wallnerstr. 4, Tel.: 01/533 08 12,
www.barbaro.at
Margareta, 1040 Wien, Margaretenplatz 2, Tel.: 01/544 07 22,
www.schlossquadr.at
Da Moritz, 1010 Wien, Schellinggasse 6, Tel.: 01/512 44 44,
www.damoritz.at
Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen NEWS 03/10!











