Außerhalb der Stromlinie: Herbert Hacker zu Gast beim Wolf in der Wiener Burggasse

Szenebeisel dieser Art gibt es Wien inzwischen einige. Ein bisschen auf Post-Avantgarde zurechtgezimmert, mit minimalistischem Dekor und einer oft gnadenlos unverkrampften Bedienung. Solche Lokale erfreuen sich regen Zuspruchs, und das, obwohl das Kulinarische meist im Bereich des völlig Belanglosen rangiert.

Eine löbliche Ausnahme ist das winzige Lokal mit dem schlichten Namen Wolf in der Burggasse im 7. Wiener Bezirk. Von der Art her fällt es eindeutig in oben erwähntes Genre. Die Einrichtung ist so schlicht, dass sie als solche gar nicht wahrgenommen wird. Einzig die alte Schank ragt architektonisch etwas heraus, der Rest ist unkonventioneller Zierrat, locker im Raum verteilt. Die Küche aber bietet weit mehr als den üblichen Kulinarik-Ramsch. Am Herd steht Jürgen Wolf, ein unprätentiöser junger Koch, der gar nicht aussieht, als würde er das Kochen so wahnsinnig ernst nehmen. Das Gegenteil ist der Fall: Was Wolf aus seiner Winzigküche herauslässt, verdient durchaus, beachtet zu werden.

Coq au vin mit Erdäpfelnockerln
Die Produkte, die er verwendet, sind von erstklassiger Qualität und werden von Wolf handwerklich gekonnt verarbeitet: Ziegenfrischkäse im Speck ist nicht neu, kann aber, wie in diesem Fall, köstlich sein; oder ein einfacher Spargelsalat mit Kerbelvinaigrette und einem Sauris-Rohschinken. Wirklich interessant aber sind Gerichte wie zwei halbe Stubenkücken als Coq au vin mit Erdäpfelnockerln. Eine Kreation weitab der kulinarischen Stromlinie. Derzeit wird das versteckt gelegene Wolf (mit kleinem Schanigarten) übrigens noch zusätzlich von einem Bau-gerüst eingerahmt. Doch auch das stört nicht wirklich. Auf eine gewisse Art passt das zu dieser ungewöhnlichen Lokalität. (red.)

Wolf
Adresse: 1070 Wien, Burggasse 76, Tel.: 01/990 66 20
Öffnungszeiten: Di-Do 17-24, Fr und Sa 17-02 Uhr
Preise: Vorspeisen: bis 8 Euro
Hauptspeisen bis 16 Euro