Bar Wien: Servicestation für die Seele -
Der FORMAT-Gourmettip von Herbert Hacker

Wie jedes Jahr sind auch 2007 eine Menge an Lokalitäten den Weg alles Irdischen gegangen. Das mag bedauerlich erscheinen, hat aber auch sein Gutes. Oft ist es sogar ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit, wenn Lokale am Überleben gehindert werden. Im Idealfall werden sie dann durch neue, viel bessere ersetzt.

Wie immer gibt es natürlich auch Ausnahmen. Und eine solche ist die Bar Castillio im ersten Bezirk Wiens. Ein gütiges Schicksal hat es tatsächlich möglich gemacht, dass eine der schönsten Bars der Stadt vor dem endgültigen Zusperren gerettet wurde.

Das Castillio war immer eine Art Reparaturwerkstätte für eigenwillig zerbeulte Großstadtgemüter, eine Servicestation für die Seele, hier wurde eine Zeit lang sogar großartig gekocht (und zwar von Severin Corti, der inzwischen für den "Standard" Restaurantkritiken verfasst). Dann wurde das Lokal vom Barkeeper Andreas Duspiwa übernommen, dem es jetzt zusammen mit dem chronischen Stammgast Sascha Bartl gelungen ist, Geld für einen Neustart aufzutreiben. Jetzt heißt das Castillio "Bar Wien".

Die Einrichtung wurde behutsam runderneuert, sodass es auf den ersten Blick nicht gleich auffällt, dennoch sind die Möbel neu, das Licht etwas heller und der hintere Bereich etwas stimmiger als vorher. Der Bartresen ist Gott sei Dank geblieben, wie er war, die sanitären Anlagen hingegen wurden ganz neu gemacht, sodass sie erstmals den Begriff Toilette wirklich verdienen.

Die Drinks und Cocktails waren hier immer schon astrein, vor allem aber die Atmosphäre hat diese Bar zu dem gemacht hat, was sie nun weiterhin bleibt: ein idealer Ort, um die Zeitspanne zwischen später Nacht und frühem Morgen auf zivilisierte Art hinter sich zu bringen. Denn bekanntlich steckt in einem "Maisfeld von der Größe eines Morgens eine Menge an Nährwert" (William Faulkner).

Name: Bar Wien
Adresse: 1010 Wien, Biberstraße 8, Tel. 0660/120 30 40
Öffnungszeiten: Mo.-So. 19-3 Uhr