,Bei euch wird anders gegessen!‘ Koch-Star Dieter Müller speiste bei Lisl Wagner-Bacher

Dieter Müller ist gemeinsam mit Eckart Witzigmann Deutschlands Gourmet-Exportmarke Nummer eins. Der Meisterkoch aus Nordrhein-Westfalen erkochte in seinem Leben schon zweimal drei Michelin-Sterne und 19,5 Gault-Millau- Punkte, erhielt die „Goldene Feder“ für das weltbeste Kochbuch und gilt als einer der fünf oder sechs besten Köche der Welt.

Er hat die Deutschen, wie er selbst sagt, „vom Pizzabäcker ums Eck zur gehobenen mediterranen Küche“ geführt. Schon in den 80ern reiste er „in anderthalb Jahren zweimal um die Welt“ und entdeckte die asiatische Kochkunst. Nur in die Wachau hat es ihn noch nie verschlagen. Warum diese in seiner weiteren Karriere trotzdem eine Rolle spielen wird, erzählte Müller NEWS in einem Gespräch mit Kollegin und „Wachau-Aushängeschild“ Lisl Wagner-Bacher.

NEWS: Herr Müller, Sie sind zum ersten Mal in der Wachau, aber keinesfalls zum ersten Mal in Österreich.
Müller: Ich bin ein jahrelanger Salzburg-Urlauber. Und seit ich vor 30 Jahren meinen ersten Topfenstrudel bei den Brüdern Obauer essen durfte, liebe ich die Austro-Küche.
NEWS: Essen Österreicher anders als Deutsche?
Müller: Sie essen mit mehr Freude, und sie sind dankbarere Esser.
Wagner-Bacher: Das kann ich bestätigen. Und je mehr Freude der Gast zeigt, desto mehr Freude habe ich am Kochen.
NEWS: Herr Müller, Sie gelten als eine Art kulinarischer Daniel Düsentrieb. Die Crème brûlée von der Gänseleber ist ebenso Ihre Erfindung wie der Cappuccino von Curry und Zitronengras. Auch das „Amusebouche-Menu“, bei dem 19 winzige Gerichte in fünf Gängen
serviert werden, geht auf Ihr Konto und wurde Tausende Male kopiert. Stört Sie das?
Müller: Ein eigener Stil war früher wichtiger als heute. Jetzt holen sich alle von allen was – und verkaufen das als Unikat. Aber Kochrezepte kann man leider nicht patentieren lassen. Also freue ich mich, wenn ich gut kopiert werde, und ärgere mich, wenn es schlecht gemacht ist.
Wagner-Bacher: Ich drehte unlängst den Fernseher auf und sah einen Milchrahmauflauf. Den kenn ich ja, dachte ich. Den hab doch ich erfunden. Aber es ist natürlich auch ehrenvoll, kopiert zu werden.
NEWS: Sie beide sind das, was man als kulinarische Ikonen bezeichnen könnte. Denkt man, wenn man es so weit gebracht hat, nicht manchmal ans Aufhören?
Müller: Ja, ich höre tatsächlich auf. Ab 1. Februar heißt mein Restaurant in Lerbach nicht mehr „Dieter Müller“. Aber ich höre dennoch nicht auf zu kochen.
NEWS: Für wen werden Sie da kochen, ohne Restaurant?
Müller: Für jeden, der an meiner Küche interessiert ist. Das Zentrum wird mein eigenes Haus in Ottenthal sein, aber es wird kein Restaurant werden. Allerdings werde ich weiterhin ein Team um mich haben, das man auch engagieren kann.
NEWS: Wo wird der erste Auftritt dieses kulinarischen „Tourneetheaters“ stattfinden?
Müller: Sie werden lachen. Beim Wachauer Gourmetfestival im März. Diesen Auftritt vorzubereiten ist auch der Grund meines Besuches.

Rezept der Woche - Vanillekipferlparfait
Zutaten für 4 Portionen: 2 Dotter, 1 Ei, 100 g Kristallzucker (fein), Mark von einer halben Vanilleschote, 250 ml Obers, 250 g Vanillekipferln
Zutaten für 4 Portionen: Dotter mit Ei, Zucker und Vanilleschote über Wasserdampf zuerst warm aufschlagen, dann kalt (im Eiswürfel-Wasserbad) weiterschlagen. Obers nicht zu fest schlagen und unter die
Dottermasse heben. Terrinenform mit Klarsichtfolie auslegen, Masse und Kipferln schichtweise einfüllen und 12 Stunden frieren. Stürzen und z. B.
mit Granatapfelsauce und Dörrfrüchtespieß garnieren.