Buchtipp: "VerTeufelt gut" Expeditionen ins Reich verbotener kulinarischer Genüsse

Eine Frucht, die verboten ist, schmeckt umso süßer: Taras Grescoe hat sich für uns auf die Suche nach betörenden kulinarischen Genüssen in aller Welt begeben, die ihn geradewegs ins Gefängnis führen könnten. Er fragt nicht nur, welchen Ursprung und Sinn staatliche Verbote tatsächlich haben, sondern serviert waghalsige, wortgewandte und witzige Lese- und Gaumenfreuden in der Tradition gastronomischer Rebellen wie Anthony Bourdain.

Grescoe lässt uns in seinem mit sinnenfrohen Erlebnissen und kulturgeschichtlichen Geistesblitzen gesättigten Reisebericht an einem wahrhaft diabolischen, mehrgängigen Menü teilhaben: Zum Aperitif nach Oslo auf einen Schluck Hjemmebrent, dem legendären norwegischen Schwarzgebrannten; als Vorspeise Mohncracker, die im Gouvernantenstaat Singapur streng verboten sind, und Époisses, ein umwerfender und vielerorts illegaler Rohmilchkäse aus Frankreich. Den Hauptgang nimmt Grescoe in Madrid ein: das traditionsreiche spanische Ragout von Stierhoden.

Geeignet zur vorübergehenden Entspannung (oder vorübergehenden Inhaftierung) sind Cohibas Esplendido aus Kuba und ein Glas Absinth, der in einem Schweizer Tal noch nach der ursprünglichen, behexten Rezeptur gebrannt wird. Zum Dessert wagt sich Grescoe u.a. an eine Tasse Tee von Cocablättern in Bolivien. Nur den „Absacker“ probiert er nicht selbst, handelt es sich doch um Pentobarbital-Natrium, den „Suizid-Cocktail“ für Menschen, die einen würdevollen Freitod suchen.

Taras Grescoe
VERTEUFELT GUT
Expeditionen ins Reich der verbotenen Genüsse
Aus dem Englischen von Franka Reinhart
400 Seiten, € 20,60
ISBN: 978-3-89667-346-6
Verlag: Blessing