Ein 28 Gänge-Menü nach Rokokovorbild: Prockerln im Ofen und Co. genießen

Wer schon immer wissen wollte, wie Ludwig van Beethoven und seine Zeitgenossen getafelt haben, kann beim "Diner Historique" im Berghotel Tulbingerkogel vor den Toren Wiens einen Einblick erhalten. Zeit und ein leerer Magen sind nötig, denn Hausherr Friedrich Bläuel lässt 28 Gänge auffahren. Gepuderte Perücken und Reifröcke dürfen aber getrost daheim gelassen werden.

Schon der Tischschmuck mit Kerzenleuchtern stimmt auf die längst vergangene Epoche ein. Beim Lesen des Speisezettels herrscht dann leichte Verwirrung, denn mit "Prockerln im Ofen" (Brokkoli im Rohr überbacken, Anm.) oder "Karbonadeln lämmerne im Schlafrock" (gebackenes Lammkotelett, Anm.) können nur wenige Gäste etwas anfangen.

Süßes & Saures
Getreu dem Vorbild wird das Essen in mehreren Trachten, also Gängen, aufgetragen. Dabei werden immer alle Speisen auf einmal auf den Tisch gestellt, Süßes und Saures kommen gleichzeitig aus der Küche. Die Hauptspeisen werden vorgelegt, die Assieten (Beilagen, Anm.) von den Gästen weitergereicht. Erst um 1810, durch französischen Einfluss, hat sich die heute übliche Reihenfolge - eine Speise nach der anderen - durchgesetzt.

200 historische Kochbücher
Rund 200 historische Kochbücher aus der Zeit von 1590 bis 1880 hat Bläuel zusammen getragen. Klar, dass die unterschiedlichsten Rezepte auch in der Hotelküche ausprobiert wurden. Nach dem mühevollen Übersetzen und Umrechnen der Maßeinheiten dauerte es bei einzelnen Gerichten bis zu drei Tage, damit das Ergebnis genießbar war. Bläuel: "Manche Rezepturen mussten wir erfühlen."

28 Gänge
Von den 28 Gängen darf man sich nicht abschrecken lassen, denn auch jede Beilage ist als eigener Punkt enthalten. Routinierte Esser nehmen zudem nur Kostproben und überstehen so das Mahl ohne nachhaltige Schäden. Wer allerdings deutlich weniger essen will, hat beim "Diner Historique" keine Chance, denn "ein Menü unter 20 Gängen ist eigentlich ein Frühstück", so Bläuel. (apa/red)