Eine Genussreise zum Waldbauernbuben:
Christoph Wagner über das feine Krainer

Tour durchs Mürztal. Peter Roseggers Waldheimat wird in kulinarischer Hinsicht viel zu häufig unterstützt.

Seit zwei Jahren habe ich meinen Zweitwohnsitz im obersteirischen Kindberg, und sooft ich mit Einheimischen ins Gespräch komme, stelle ich einen gewissen Mangel an kulinarischem Selbstvertrauen fest. "Wengan gua’n Essen san S’ oba net herkumma!" Diesen Satz habe ich schon oft gehört. Und dabei fühle ich mich hier – unter anderem von Österreichs wohl einzigem akademisch ausgebildetem Biobäcker – bestens versorgt. Gewiss macht mir ein etwas verschwenderischer Umgang mit Convenience-Produkten da und dort auch Sorgen. Dafür gibt’s dann aber wieder ein schmalzgebackenes Backhendl um knappe fünf Euro oder köstliche hausgemachte Würste. Und über die Flecksuppe des Mürztals könnte ich fast schon eine Dissertation schreiben.

Der Neue
Zu den Leitbetrieben wie dem Steirereck am Pogusch, dem Holzer im Mürztal oder der Post Karlon in Aflenz hat sich soeben übrigens ein neuer gesellt: Im "Krainer" zu Langenwang (altgedienten Feinschmeckern noch als "Kohlbacher" in Erinnerung) ist seit Jahresbeginn die junge Generation zugange. Andreas Krainer, Haeberlin- und Obauer-Schüler, hat seine junge Frau Astrid, eine gebürtige Dresdnerin, nämlich in der Küche von Lisl Wagner-Bacher kennen und lieben gelernt und heimgeführt.

Gleich zwei "Babys"
Ein Baby, den drei Wochen alten Vincent, gibt’s auch schon. Das nächste Baby ist bereits in Arbeit, nämlich das elterliche Restaurant, das die beiden – er als Saucier, sie als Patisseuse – auf geradezu wundersame Weise umgekrempelt haben. Die Karte ist ein Musterbeispiel richtig verstandener gehobener Regionalität-, Der hausgebeizte Eismeersaibling aus den Teichen von Etmissl, die Flusskrebserln mit Schwarzwurzeltagliatelle, die grandiose Klachelsuppe vom Spanferkel, der Rollmops und der Forelle und allem voran das saftig-weiche geschmorte Spanferkel mit Erdäpfelschmarren und Rahmkohl weisen genau in die richtige Richtung. Schwiegertochter Astrid komponiert und dekoriert prächtig, allerdings eher internationale Desserts (z. B. 3x Mango mit Honigschaum). Die Eltern Rita und Hermann Krainer sorgen in postmoderner Atmosphäre für familiären Service und gediegene Weinkultur. Ja, und den lauwarm auf Stampferdäpfeln mit Kümmelöl servierten Leobner Hauskäse aus Muster-Art sollte man hier unbedingt auch verkostet haben.

Den kleinen, kulinarischen Mürztal-Guide finden Sie im aktuellen News

Krainer
8665 Langenwang, Grazer Straße 12
Tel.: 0 38 54/20 22
Café 8-24 geöffnet, Restaurant So abends und Mo geschlossen.
www.hotel-krainer.com

Im Lokalführer zu finden unter:
Restaurant Krainer