Essen muss dem Körper wirklich guttun!:
Christoph Wagner über den Koch des Jahres

Hat der frischgebackene Koch des Jahres ein Lieblingslokal? Ein kleines Wirtshaus in seiner niederösterreichischen Heimat vielleicht? Einen Chinesen ums Eck oder eine Sushi-Bar? Oder vielleicht gar einen Würstelstand? Joachim Gradwohl, hochdekorierter Küchenchef beim "Meinl am Graben", denkt nicht lange nach. "Wenn Sie mich in meinem Lieblingslokal interviewen wollen, kann das nur bei Christian Petz im Palais Coburg sein. Ich verdanke ihm viel und schätze seine Kochkunst außerordentlich!"

Während Meister Petz sich also daranmacht, mit geräucherter Taube, Seezunge auf Linsen, geschmorten Kutteln mit Roten Rüben und Kaviar (seinem neuen "Kultgericht") und geeister Kardinalschnitte zu verwöhnen, plaudert der 38-jährige Gradwohl über seine Blitzdurchquerung der Hohen Schule der Kochkunst, die von der Lehrzeit in der Buckligen Welt über das "Palme d'Or" in Cannes, Witzigmanns "Aubergine" und das "Steirereck" reichte, bis ihm von Petz persönlich die Küchenstafette beim Meinl übergeben wurde. Der damals von vielen vorausgesagte Niedergang des Meinl fand nicht nur nicht statt, sondern endete im Triumph. Gradwohls Küchenphilosophie, nicht zuletzt von seiner Lebensgefährtin, einer Ärztin, mitgeprägt, kam bei der Wiener Geschäftswelt bestens an und lautet: "Man muss nach jedem Essen leicht und fit aufstehen können. Denn Essen soll dem Körper guttun, nicht schaden."

Gesund bis ins hohe Alter
Intensiv hat sich Gradwohl daher mit "Anti-Aging" beschäftigt, worüber er auch ein Kochbuch verfasst hat. Mittlerweile ist der im Zwilling Geborene allerdings zum Schluss gekommen: "Ich glaube nicht, dass man mit Anti-Aging-Cuisine älter wird, aber ich glaube garantieren zu können, dass man sich damit sehr lange ziemlich gut fühlen kann."

Jeden Tag ins Gourmetlokal
Da gibt ihm auch Kollege Petz Recht: "Das Beste, was ein Mensch für seine Gesundheit tun kann, ist, jeden Tag in einem modernen Gourmetlokal zu speisen. Da gibt's viele kleine, leichte Portionen aus allerbesten Zutaten, viel Gemüse, viel Fisch, alles frisch und mit natürlichen Saucen."

Biokarotten statt Molekularküche
Mit Petz ist sich Gradwohl auch in seiner Skepsis gegenüber der modernen Molekularküche einig: "In der Küche eines Heston Blumenthal findet man keinen einzigen ergiebigen Nährstoff. Da finde ich eine Karotte, die in ganz normaler Erde unter ganz normaler Sonne herangereift ist, wesentlich spannender."

Ungewisse Zukunft
Wo Gradwohl in Zukunft seine Karotten schmurgeln wird, darüber ist sich die brodelnde Gerüchtebörse allerdings zurzeit uneins. Allenthalben wird nämlich gemunkelt, dass Gradwohl den "Meinl" schon bald verlassen könnte. Ja, es gab sogar "Zeugen", die schworen, er würde nicht einmal mehr das Festmenü zum von Gault Millau und Agrana verliehenen "Koch des Jahres" am 22. Juni selbst kochen.

Durchgeplant
Was Gradwohl nur einen Lacher kostet. Er weiß auch schon genau, was er kochen wird, nämlich u. a. Forelle in Karottenfond mit Flusskrebsen, Wolfsbarsch in Avocado-Vinaigrette, Lamm in Verbene-Confit und Marillensoufflé mit Topfeneis.

Keine Pension
"Natürlich wird's mich auch weiterhin beim Meinl geben", versichert Gradwohl, fügt jedoch mit einem Augenzwinkern hinzu: "In Pension gehen werde ich da aber sicher nicht."

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