FORMAT Gourmetipp: Böhles Feinkostladen - Mit Vinothek und "genialem Hinterzimmer"

Von allen Orten der Welt, an denen sich Menschen aufhalten können, ist das Hinterzimmer der bedeutungsvollste", schreibt Teddy Podgorski in einem Buch über das legendäre Gutruf, "… im fensterlosen Dämmerlicht des Hinterzimmers erblicken große Ideen das Licht der Welt."

Das trifft auf das Hinterzimmer des Wiener Traditionsfeinkostladens Böhle in der Wollzeile wahrscheinlich nicht ganz zu. Ein bemerkenswerter Ort ist es aber allemal. Hier kocht nämlich einer in einem Stüberl, das nicht viel größer ist als eine Umkleidekabine bei H&M.

Umso erstaunlicher, was dabei herauskommt. Erwin Jung, er leitete lange Zeit bei Böhle das Catering, kocht hier auf engstem Raum besser als so mancher gefeierte Küchenstar. Seit Jahren betreut er hier eine treue Stammkundschaft, ein illustrer Gästemix aus noblem Bürgertum, hungrigen Hedonisten und schmähführenden Kleinkünstlern aus dem benachbarten Simpl. Sie alle delektieren sich hier an Austern, feinen Wildpasteten und gebratener Gänseleber sowie an Gerichten wie pikanter Garnelensuppe, Butterfisch in Chiliöl gebraten und flambierten Hirschkalbsteaks in Madeirasauce.

Jung ist ein Verfechter beherzter Würzung, denn in seiner Freizeit züchtet er alle möglichen Chiliarten. Aber nicht nur die scharfen Speisen fördern hier den Getränkekonsum, die Gäste beim Böhle wissen, dass sie aus einem reichhaltigen Fundus an Weinen, Portweinen und Hochprozentigem schöpfen können.

Ein wirklich großartiger Treff, abseits aller üblichen gastronomischen Trampel-pfade.

Name: Böhle Feinkost und Vinothek
Adresse: 1010 Wien, Wollzeile 30, Tel.: 01/512 31 55
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 10-19 Uhr; Sa. 10-19 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 7,90, Hauptspeisen bis 22 Euro

Aus Herbert Hackers wöchentlicher Gourmet-Kolumne im Format (Nr. 42/2007)