Im Süden gibt's viel Neues zu entdecken:
Christoph Wagner und die Region Csaterberg

Meine erste Begegnung mit dem Csaterberg liegt schon mehr als ein halbes Jahrzehnt zurück. Das "krowodische" Kellergassen-Idyll schien mir damals aus einer versunkenen Welt erstanden zu sein. Als ich im Gasthof Holzer einkehrte, wurde dieser von einer achtzig und einer neunzig Jahre alten Dame bewirtschaftet, von denen eine für die Backhendln und Krautfleckerln, die andere für die Berge von Bügelwäsche zuständig war, die sich in der Wirtsstube aufgetürmt hatten. "Wollts wirklich Krautfleckerln?", fragte mich die Wirtin. "Oder soll ich euch was auftauen?" Backhendln und Krautfleckerln sind immer noch da, der Bügelberg ist verschwunden.

Backhendln und Krautfleckerln sind immer noch da, der Bügelberg ist verschwunden. Stattdessen präsentiert sich der "Gasthof zum Weinberg" als gepflegte Familienpension, auf deren Terrasse man mit Weinbergblick frühstücken kann. Die Weißweine vom Csaterberg, vor ein paar Jahren noch - etwa in der romantischen Buschenschank Bradl - nur offen erhältlich, füllen mittlerweile eine Vinothek, und das "Steinmuseum", in dem gut 600 Holzversteinerungen aus der Opaldecke der beiden "Csaterberge", darunter 20 Kilo schwere Prachtexemplare, gezeigt werden, ist ein Museumsjuwel.

Neuer Juwel
Seit ein paar Wochen haben der Kleincsater und der Hochcsater, zwei Ausläufer des berühmteren Eisenberges, jedoch auch ein gastronomisches Juwel zum Aufwarten: Im alteingesessenen Gasthaus Csencsits im nahen Harmisch (sagen Sie bitte nie Harmisch, man versteht Sie nur, wenn Sie "Hoamisch" sagen) ist nämlich nunmehr die jüngere Generation zugange. Jürgen Csencsits, jahrelanger Souschef und zuletzt Küchenchef Walter Eselböcks im vierfach behaubten Taubenkobel, ist mit sei-ner Gattin Melanie, die er als Weinkellnerin im Taubenkobel kennen lernte, in die Heimat am Csater zurückgekehrt.

Brillantes Können, bodenständige Küche
Nach diversen Umbauarbeiten erstrahlt das ortsüblich einfache, aber gemütliche Gasthaus nicht nur in neuem Glanz, sondern strotzt auch vor neuen Aromen. Jürgen Csencsits macht nicht den Fehler, eine hyperkreative Taubenkobel-Cuisine ans Ende der Welt verpflanzen zu wollen, sondern kocht, mit seinen (durchaus brillanten) Mitteln täglich ein "echt burgenländisches" Menü: Über Gerichte wie Saibling auf Apfelkren mit Karfiol, Spargelcreme mit geschmorten Paradeisern, gebratenen Wels mit Speck und heurigem Kraut, Schweinsbraten vom Goderl aus dem Holzofen auf Knö-delcarpaccio, Maibock mit Rosmarin und Sellerie oder die exzellente Erdbeer-Creme-Schnitte freute sich auch mein Begleiter Uwe Schiefer, mit Kultroten wie Szapari oder Reihburg einer der berühmtesten Eisenberg-Winzer. "Endlich auch eine Gastronomie, die zu meinen Weinen passt", jubelte er. Und auf die hiesigen Weißweinrieden hat der Kultweinmacher auch bereits seine Hand gelegt. Wohl schon bald wird es beim "Csencsits" daher einen "Weißen Schiefer" geben, der auf Csater-Opal gediehen ist.

Den wöchentlichen Genuss-Tipp von Christoph Wagner finden Sie im aktuellen NEWS