Morgen: Nationaler Tag des Käses in Frankreich soll "bedrohte" Sorten retten

Mehr als 1.000 Käsesorten werden in Frankreich produziert, doch viele Hersteller warnen vor einem Schrumpfen der Vielfalt und dem Aussterben einiger Spezialitäten. Ein landesweiter "Käse-Tag" am Samstag soll die Franzosen mit Hilfe von Verkostungen an die Vorzüge eines guten Rohmilchkäses gegenüber Massenprodukten aus pasteurisierter Milch erinnern.

"Innerhalb von 30 Jahren sind über fünfzig Sorten von der Landkarte verschwunden", bedauert Veronique Richez-Lerouge von der Vereinigung "Fromage de terroirs" (etwa: "Käse aus französischen Landen"). Jüngstes Opfer ist die "Galette des Mont-d'Or", ein seit 400 Jahren hergestellter Käse. Im Sommer starb der letzte Produzent und nahm das "geheime Rezept" mit ins Grab, wie Richez-Lerouge erläutert. Rohmilchkäse gerate durch EU-Normen und Massenprodukte zusehends unter Druck und mache nur noch sieben Prozent des französischen Marktes aus. Der "Käse-Tag" soll nun die Menschen mobilisieren. So soll nach den Worten der Käse-Aktivistin verhindert werden, "dass die Ausnahmeerscheinung unseres Käses zu Grunde geht".

Edelpilzkäse ebenfalls bedroht
Auch Frankreichs Vertreter bei der EU in Brüssel sollten "mit der Faust auf den Tisch hauen", verlangt Guy Martin, Autor des Buches "Mit Käse kochen". "Man kann doch einem kleinen Hersteller nicht die gleichen Normen auferlegen wie einer großen Käserei." Eine Vorbildrolle müssten Frankreichs Starköche spielen, verlangt Martin, der als Drei-Sterne-Koch des legendären "Grand Vefour" in Paris selbst zu diesem erlesenen Zirkel zählt. Er hat auf seiner Speisekarte ebenfalls eine bedrohte Käse-Spezies, den "Bleu de Termignon", einen Edelpilzkäse, der in der Nähe der italienischen Grenze produziert wird.

Feinkostführer von Lafayette Gourmet
Nicht alle Käse-Experten sind pessimistisch. Philippe Olivier, Hersteller aus Boulogne-sur-Mer, baut vor allem auf die Bio-Welle. "Seit zwei, drei Jahren kommen junge Bauern um die 30 in unsere Gegend, Leute mit ethischen Vorstellungen, die unsere Käsesorten retten wollen", sagt Olivier. Respekt für die Natur sei für diese Leute eine wichtige Lebensentscheidung. Auch habe es schon lange nicht mehr so viele junge Schüler an der Pariser Käserei-Schule gegeben wie in diesem Jahr, freut sich der Experte. Hilfe kommt auch vom Feinkostgeschäft Lafayette Gourmet in Paris. Dieser Tempel des feinen Geschmacks, der in seinen Regalen 150 Sorten Rohmilchkäse anbietet, gibt anlässlich des Käse-Tages einen Führer in einer Auflage von 80.000 Exemplaren heraus. Praktische Hinweise zum Käse, kultureller Hintergrund und spielerische Elemente sollen die Lust auf Käse anfachen. "Wir wollen klar stellen, dass Käse ein sagenhaftes Produkt und nicht schädlich ist", wirbt Sylvain Gaudu, Direktor das Lafayette Gourmet. "Das französische Kulturgut muss verteidigt werden!" (APA/red.)