Petersplatz und Pasqualina: Die Italiener mögen´s zu Ostern einmal so richtig deftig

Die Italiener sind an und für sich ein "süßes" Volk. Zum Frühstück gibt es Croissants mit Creme-Füllung und Zwieback mit Marmelade. Oder auch bei manchen nur schnell einen gesüßten Espresso zum Aufwachen: Große Frühstücker sind die Italiener sowieso nicht. Nur einmal im Jahr ist das anders: Zu Ostern wird richtig zugeschlagen - und zwar ausnahmsweise mit salzigen Spezialitäten und deftigen Delikatessen.

"Pasqualina" und "Torta salata di Pasqua" lauten die Zauberworte für Oster-Gourmets. Und ausnahmesweise gibt es neben dem obligatorischen Cappuccino schon am Morgen ein Gläschen Wermut, während das Fernsehen das "Urbi et Orbi" live vom Petersplatz überträgt. Auf der Appenin-Halbinsel bewegen sich die Menschen meist irgendwo zwischen katholischem Glauben und tiefer Liebe zur "Cucina Italiana". Und das ist besonders bei den großen Festen zu spüren, wie Weihnachten oder eben Ostern. Vom Kreuzweg am Kolosseum bis zur Ostermesse vor dem Petersdom werden die Zelebrationen des Vatikans aufmerksam verfolgt - während Klein-Giovanni und Nonna Luisa "schaufeln", was das Zeug hält. Verwunderlich ist eigentlich nur, dass gerade im religiösen Italien der Karfreitag kein offizieller Feiertag ist.

Torte aus Schinken und Spargel
Der Ostermontag ist hingegen einer der beliebtesten Feiertage im Land. Die Metropolen wie Mailand und besonders Rom sind trotzdem voller Menschen: Zu Ostern übernehmen hier traditionell die Touristen das Zepter. Aber zurück zur Pasqualina: Die rustikale Torte aus Spinat, Ricotta, Majoran und Parmesan ist im Inneren mit hart gekochten Eiern bestückt: Eine wahre Köstlichkeit. Ohne Eier kommt hingegen die vor allem in der Lombardei heimische "Torta salata" daher, eine Torte aus Schinken und Spargel, die locker flockig im Blätterteigmantel auf der Zunge zergeht. Und über allem thront die "Colomba", die Oster-Variante des weihnachtlichen Panettone. Das süße Gebäck hat die Form einer Friedenstaube und ist speziell in Norditalien ein echter Renner.

Mega-Eier statt Osterhase
Ostereier verstecken oder suchen gehört nicht zum italienischen Brauchtum - ebenso wenig wie der Osterhase, der den Südländern fremd ist. Auch werden nur vereinzelt Eier gefärbt. Stattdessen bieten Supermärkte und Spezialitäten-Geschäfte schon Wochen vor dem Fest Mega-Eier aus Schokolade an, in deren Inneren sich Überraschungen für Kinder verstecken. Aber für die Osterfans gibt es hinsichtlich der Schoko-Eier in diesem Jahr auch eine böse Überraschung: Sie kosten derzeit etwa 20 Prozent mehr als noch 2004. Wer auf das Riesen-Ei trotzdem nicht verzichten will, muss bis zu 200 Euro hinblättern. (APA/red.)