Petrus an der Pielach: PROFIL über den kulinarischen Platzhirsch im Dirndltal

Hysterisch pfeift die Mariazellerbahn. Sie spielt mehrmals am Tag ein Solo über dem ewigen Klangteppich, den das Rauschen der glasklaren Pielach am Wehr in Kirchberg erzeugt. Ich stehe oft dort mitten im Fluss, weil sich unter der Ortsbrücke die kapitalen Forellen tummeln, die unter unsereins Brückentrutten genannt werden. Würde ich meine Angel nur ein kleines Stück zu weit auswerfen, könnte ich auch eine Forelle von einem Teller im Garten des Gasthauses "Kalteis" fangen, das gleich neben dem Fluss liegt - und alles andere als irgendein Dorfwirtshaus ist.

Ich sitze mit Juniorchef Hubert und seiner Mutter Theresia Kalteis im gediegen eingedeckten Gastgarten; drinnen an der Schank trifft sich der Ort. Seit 36 Jahren kocht Theresia Kalteis, 56, nun schon im Familienbetrieb. Mit all den Glamour-Werdegängen, die heute Herdkarrieren beflügeln, hat die Autodidaktin nichts zu schaffen. "Zwei Tage bei Martin Sieberer in Ischgl, das ist alles", sagt sie lächelnd. "Ich bin und bleibe eine Wirtshausköchin."

Und Sohn Hubert, der auch den ehrgeizigen Sommelier gibt, ergänzt: "Von den Einheimischen werden wir auch als Wirtshaus wahrgenommen, und das ist gut so. Aber wir wollen die Symbiose von Schank und Restaurant. So etwas gibt's ja nicht so oft."

Was der Weinfreund damit meint, ist auch an den leeren Flaschen in einer Vitrine zu sehen: Opus One, Château Petrus, Perwolff und die gesamte Elite der Wachau wurden hier schon weggeschluckt. Wunderbarer Stoff, um die feine aromatische Saisonalküche von Frau Kalteis zu begleiten - ihr köstliches Rehbeuschel etwa. "Die Zutaten dafür kriegt man ja kaum", sagt sie, "weil die Jäger sie gerne behalten, aber wir haben eine eigene Jagd"; den gefüllten Mostbraten mit Dörrzwetschken und Kletzen; oder den Rehrücken, dessen Sauce sie mit einem Schuss Dirndlbrand verfeinert, denn wir sind hier im Dirndltal.

Jetzt aber gibt's eine fangfrische Forelle aus dem Kochtopf, für deren Gesellschaft Hubert Kalteis im Keller nicht lange suchen muss. Huldvoll blickt ihn der heilige Urbanus vom Knoll-Etikett an. Sehr würdig, schließlich bin ich auf dem Weg nach Mariazell hier hängen geblieben.

Gasthaus "Kalteis"
Melkerstraße 10, 3204 Kirchberg/ Pielach
Tel.: 2722/72 23
Di., Mi. geschlossen
Hauptgerichte: 10 bis 18 Euro
www.kalteis.at