Schloss Prielau: Privatkoch der Porsches übernimmt Pacht und kredenzt Feinstes

Als NEWS im letzten Sommer meldete, dass Jörg Wörther Schloss Prielau verlässt und fortan für Dietrich Mateschitz eine feine Fingerfood-Kollektion kreiert, war ein kleines kulinarisches Erdbeben zu verspüren. Selbst unter den einander sonst nicht immer freundschaftlich gesinnten Kollegen waren Wörther und seine subtile Kochkunst unumstritten.

"Er ist einer der Besten, wenn nicht der Beste", streut ihm auch sein Nachfolger in der Schlossküche Rosen. Nach einem halben Jahr Winterpause ist seit kurzem der Herd im Anwesen der Familie Porsche in Zell am See wieder warm, der Bayer Andreas Mayer hat gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Anette Müller die Pacht übernommen.

Privatkoch der Familie Porsche
Mayer war acht Jahre Privatkoch der Porsches und bekam nun das Haus angeboten. Zuvor hatten die Hausherren noch einiges investiert und den ersten Stock des historischen Baus geräumt, der nun als "Hugo-von-Hofmannsthal-Suite" vermietet wird. Mayers wichtigste Stationen sind das Düsseldorfer "Schiffchen" und die "Aubergine" von Eckart Witzigmann, für den er auch zuletzt in München die "Palazzo"-Küche leitete. Drei Jahre war er außerdem für die Küchen im Hotel Vier Jahreszeiten in München verantwortlich.

Herausforderung Prielau
Das nicht leichte Erbe nach dem Abgang eines Vierhaubenkochs sieht Mayer als Herausforderung: "Die Leute erwarten ein sehr hohes Niveau. Wir wollen hier natürlich Sterne und Hauben kochen und werden ein, zwei Jahre brauchen, bis wir da sind, wo wir hinwollen." Auf sehr ordentliche Einstiegswertungen in den neuen Guides kann Mayer in seinem feinen "Mayer's" im Nebengebäude des Schlosses ziemlich sicher zählen. Denn seine Küche präsentiert sich durchwegs auf hohem Niveau.

Crossover-Genüsse
Die Karte bietet vier Menüs (E 45,- bis 75,-): ein dreigängiges Tagesmenü, ein viergängiges vegetarisches und ein "klassisches". Des Küchenchefs Liebkind ist aber "Mayer's Cross-Over", gegart nach seinem Motto: "Ich koch gern gewagte Sachen." Exzellent und aus der Klassiker-Liga: "Roulade vom Loup de mer mit Tomatenvinaigrette und Zucchinichips" oder "Jakobsmuschel und Kabeljau auf zweierlei Paprikabutter". Aus der pflanzlichen Sektion sind "Cannelloni von Shiitake, Aubergine und Waldpilzen" ein fein abgestimmtes Gericht.

Am meisten lehnt sich Mayer mit der Extremkombination "Gebratenes Steinbuttfilet auf Ochsenschwanzsauce und Kohlrabigemüse" aus dem Fenster - und gewinnt. Man mag diese Heirat für abartig halten; wer sich darauf einlässt, stellt fest, dass sich das exzellente Ochsenschwanzragout vortrefflich mit dem Butt verträgt.

Bei den Desserts fehlt noch die Feinabstimmung zum kulinarischen Glück, ein wenig gespreizt wirkt das Cross-over-Dessert "Weinbergpfirsich in Tomate mit Thymiansorbet". Das Schokoladensoufflé geht wahrscheinlich an anderen Tagen auch besser auf als diesmal.

Beim Weinkeller wird aus dem Nichts gestartet, dementsprechend dominieren sehr junge Weiße. Bei den Ausländern finden sich dagegen interessante ältere Exemplare zum freundlichen Preis.

Zusätzlich zum feinen "Mayer's" gibt es nun tagsüber die "Schlossküche" im Haupthaus mit schlichterer Kost. Im Herbst werden die renovierten Zimmer durch einen kleinen Wellnessbereich ergänzt. Und für Kontinuität ist auch gesorgt. Mayer: "Wir wollen mindestens zehn Jahre bleiben." (NEWS/31)

Mehr Informationen: Schloss Prielau, 5700 Zell am See, Hofmannsthalstraße 12, Telefon 0 65 42/72 911-0 www.schlossprielau.at