Und noch ein bester Italiener: NEWS auf der
Suche nach dem besten Italiener der Stadt

Während die Wiener Spitzengastronomie derzeit, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eher mit Rückzugsgefechten beschäftigt ist, boomen die City-Italiener immer noch. Der kreativste und schillerndste von allen ist zurzeit zweifellos das „Novelli“, das mit Küchenchef Konstantin Filippou einen der besten jüngeren Köche Österreichs an Bord hat.

Auf höchstem Niveau verlässlich und in Sachen Promi-Glamour die unbestrittene Nummer eins ist definitiv Fabio Giacobello, in dessen „Fabios“ ich erst dieser Tage einen Avocado-Seespinnensalat verkosten durfte, wie ich ihn selbst in Italien kaum jemals in vergleichbarer Präzision gegessen habe. Für konservative Italo-Schlemmer mit einem Hang zum Opernhaften ist immer noch das „Firenze“ die erste Adresse. Und dann ist da auch noch die Familie Antinori, die neben ihrer praktikabel-legeren „Cantinetta“ in Wien vor einiger Zeit auch das „Procacci“ eröffnet hat.

Sag niemals nie!
Hätten Sie mich noch vor einem Vierteljahr gefragt, was ich von diesem Szenelokal, dem immerhin der legendäre Göttweiger Stiftskeller zum Opfer fiel, halte, so wäre meine Antwort eher grantig ausgefallen. Doch dann kam Cosimo „Mino“ Zaccharia, dessen Charme Wiener Business-Essern leidvoll fehlt, seit Toni Mörwalds „Ambassador“ seine Pforten
geschlossen hat. Seit er seine schützende Hand über das Procacci gelegt hat, ist dort alles anders geworden.

Mino Zaccharia hat den Stil des Lokals, wie er sagt, am Schnittpunkt zwischen Umbrien, Piemont und Apulien angesiedelt. Vor allem aber ist ihm mit dem Engagement von Küchenchef Martino di Lorenzo ein echter Glücksgriff gelungen. Der heute 34-Jährige ist im Mailänder Weltklasserestaurant „Haimo e Nadia“ in die Schule gegangen, er hat mit der Kochlegende Gualtiero Marchesi zusammengearbeitet,
und die Quintessenz seiner Erfahrungen lautet: Italienische Küche bedarf keiner Moden, sondern sie muss von einfacher Raffinesse sein, die wiederum von perfekter Beherrschung des Handwerks getragen ist. Der Theorie folgt die Praxis. Vitello tonnato: tadellos, vorbildlich. Ebenso wie das Carpaccio, das sich bescheiden „nach Art von Cipriani“ nennt, in Wahrheit aber mindestens so gut wie das von „Harry’s Bar“ in Venedig schmeckt, allerdings nicht einmal ein Drittel davon kostet. Erfreulich auch, dass das „Procacci“ unter Mino Zaccharia die alte Tradition des gleichnamigen Florentiner Stammrestaurants aufnimmt, das ganze Jahr lang frische Trüffeln zu servieren. In meinem Fall handelte es sich um einen Risotto mit Sommertrüffeln aus Norcia. Dass er so duftete, als handle es sich um dabei um Alba-Trüffeln aus dem November, verdankte das Gericht zugegebenermaßen der Nachhilfe durch ein paar Tröpfchen Trüffelöl. Doch dass „der Erfolg entscheidet“, ist nun einmal die älteste aller Küchenweisheiten, und so war die Verwendung des „Maggis der Nouvelle Cuisine“ nur eine lässliche Sünde. Kurzum: Martino di Lorenzo hatte seine Küchentheorie in hocharomatische Praxis umgesetzt. Das „Procacci“ darf bleiben, wie es ist.

WIENS BESTE CITY-ITALIENER
PROCACCI, 1010 Wien, Göttweihergasse 2, R: So; Tel.: 01/512 22 11, www.procacci.at
NOVELLI, 1010 Wien, Bräunerstraße 11, R: So; Tel.: 01/513 42 00-0, www.novelli.at
FABIOS, 1010 Wien, Tuchlauben 6, Tel.: 01/532 22 22, www.fabios.at
CANTINETTA ANTINORI, 1010 Wien, Jasomirgottstraße 3–5, Tel.: 01/533 77 22
FIRENZE, 1010 Wien, Singerstraße 3, Tel.: 01/513 43 74

Bild: Procacci. Cosimo Zaccharia sorgt für
Italo-Küche auf höchstem Niveau. Novelli. Konstantin Filippou ist einer der besten jungen Köche des Landes.
FABIOS. Patron Fabio Giacobello bleibt mit seinem City-Italiener weiterhin der Darling der Wiener Schickeria.

Die ganze Story lesen Sie im NEWS 36/09!