Wagners Gourmet-Kritik der Woche: Der Gourmet-Papst war zu Gast im "Fabios"

Stilisierte, vom Zeitgeist gestreifte Italianitá: So könnnte man den Stil des nun auch schon über ein Jahr alten Wiener Promi-Spots beschreiben. Man könnte aber auch sagen, im Fabios kocht man so, als würden deutsche Köche kochen wie französische glauben, dass italienische es tun. Tatsächlich ist, was Christoph Brunnbauer offeriert, am ehesten als internationale Gourmetküche mit mediterranen Akzenten zu bezeichnen.

Bei Fabios habe ich etwa einen fabelhaft gegarten Rochen mit Fenchelsalat, einen geschmacklich explosiven „Tintenfisch-Capuccino“ und ein knuspriges, vielleicht noch um die Spur zu wenig klirrendes Spanferkelkotelettchen gekostet. Die Leistung scheint, Gaumzeugen zufolge, auch weiterhin recht stabil geblieben zu sein, auch wenn der Reiz der ersten Nächte breits ein wenig verblasst ist. Fabio Giacobello gibt weiterhin den Hauptdarsteller des gastronomischen Stadtneurotikers.

Die Küche tritt demgegenüber dezent in den Hintergrund und bittet vielmehr das Publikum an die Rampe. Wobei sich, ähnlich wie im Theater, die dramaturgische Frage stellt: Wenn das Publikum einmal wichtiger geworden sein wird als die Schauspieler und das Stück, wozu dann eigentlich noch eine Bühne?

Fabios, 1010 Wien, Tuchlauben 6
Telefon: 01/532 22 22 E-Mail: eat@fabios.at
Öffnungszeiten: Ruhetag(e): So; Küchenzeiten: Mo-Sa 12-23.30

Web-Tipp: Christoph Wagner's Weblog:
www.speising.net