Wagners Gourmet-Kritik der Woche: Der Top-Kritiker über die Lokal-Szene in Linz

Linz, noch in den späten 80ern der Inbegriff kulinarischen Trübsalblasens (ich darf das als gebürtiger Linzer, glaube ich, sagen) ist unter den Hauptstädten, zumindest wenn es nach den Guides geht, heuer nach Wien und Salzburg auf Platz drei vorgerückt: Zwei Dreihauber (Verdi und Vogelkäfig), ein Michelinstern (Verdi - im Bild) und — eine kleine, aber berechtigte Sensation — drei A-la-Carte-Sterne für die „Bergdiele“ in Leonding.

Wer nun meint, das sei ganz schön viel für eine Stadt, die bislang mehr durch ihre Würstelstandkultur (Stichwort: Warmer Hans) als durch Gaumenkitzel auffällig wurde, der irrt. Es tut sich nämlich auch sonst noch einiges. So hat sich etwa Jürgen Lettner in Linz nach „Bei Bruno“ und „Stefans Stubm“ nunmehr im „Donautal“ als kochender Wanderpokal etabliert, was der Kontinuität seiner Bewertungen nicht gut, seinen Kochkünsten aber keinen Abbruch tut. (Heuer zeichnete er für die mit Abstand beste gebratene Bauernente meiner „Saison“ verantwortlich.)

Jüngst hat sich in einem alten Teppichlager auch das „Hof-Art“ etabliert, ein sympathisches Bistro „á la mühlviertloise“, in dem in lockerer Atmosphäre bei ehrgeiziger Weinkultur und liebem Service gekocht wird, was das Land von der „Heusupp´n“ und Brennesselfrittaten über Hirschragout und eine (hervorragend gelungene) Lammkrone bis zu exzellenten Powidlpofesen so hergibt. (Der gebratene Saibling hätte indessen etwas mehr Umsicht verdient.)

Wer in Linz Fisch essen möchte, findet allerdings seit acht Monaten eine veritable, wenngleich auf den ersten Blick kaum als solche erkennbare Trouvaille vor. Der gebürtige Avignoneser Jean-Marc Leonforte hat sein Herz nämlich an das ehemalige „Herz-As“ in einem gotischen Altstadthaus verloren und betreibt es ganz im Stil eines einfachen provencalischen Bistros. Er brät Sardinen am Holzkohlenrost, macht eine g´schmackige Entenpastete, gefüllte Tintenfische in Sauce Armoricaine oder – für Kenner eine kleine Sensation – einen Coq au Vin, der tatsächlich von einem veritablen Gockel stammt und nach drei, vier Stunden Schmorzeit zwar noch kernig ist, aber eine deliziöse Sauce erbracht hat.

Dazu serviert Marc wenige, aber gute französische Weine (darunter einen erstklassigen Châteauneuf-du-Pape). Preis und Leistung stimmen, und die italienische Studentin im Service war, formulieren wir es einmal positiv, zumindest hoch motiviert. Außerdem scheint Monsieur Leonforte meines Wissens zurzeit der einzige Koch in Österreich zu sein, der in der Lage und willens ist, bei rechtzeitiger Vorbestellung ab vier Personen eine echte (sprich: mindestens 7fischige) Bouillabaisse authentisch zuzubereiten.

Bistro Chez Marc , 4020 Linz,
Altstadt 7, Tel.: 0732/770121
R: Sa, So mtg.
Prädikat: schlicht authentisch

HOFArT , 4020 Linz,
Hauptplatz 23, Tel.: 0732/770742,
R: So abd.
Prädikat: bodenständig mit dezentem Zeitgeist-Touch

Donautal , 4020 Linz,
Obere Donaulände, Tel.: 0732/79 55 66,
R: Mo, Prädikat: bestbürgerlich mit bester Aussicht;

Verdi , 4040 Linz,
Pachmayrstraße 137, Tel: 0 732/73 30 05,
R: So, Mo, Prädikat: große Gourmetküche;

Der Neue Vogelkäfig , 4020 Linz,
Holzstraße 8, Tel: 0 732/77 01 93,
R: Sa, So, Mo,
Prädikat: Gourmetküche;

Bergdiele , 4060 Leonding,
Holzheimerstr. 7, Tel.: 0732/78 10 54,
Prädikat: spannender Newcomer

Web-Tipp: Christoph Wagner's Weblog:
www.speising.net