Wagners Gourmet-Kritik der Woche: Der Top-Kritiker über das Mörwald Kloster Und

Einer alten Legende zufolge hat das Kloster Und seinen Namen deshalb erhalten, weil es wie ein Additionszeichen zwischen den Stadtteilen Krems + Stein platziert ist. Die Wahrheit ist romantischer: Als die Kapuziner das Donaukloster vor mehr als 350 Jahren erbauten, freuten sie sich so sehr darüber, dass sie „ad undam“ (zur Welle hin) blickten, dass sie ihr Domizil schlicht Und tauften.

Seither sind allerlei Zeitgeist-Wellen über den altehrwürdigen Bau hinweggeschwappt, deren letzte das „Weinkloster“ im Vorjahr nicht nur unbeschadet, sondern in schönerem Zustand denn je zuvor überstanden hat. Das Wiener Architekturbüro Eichinger oder Knechtl (eok) verpasste der historischen Bausubstanz luftig-lichtvoll-mediterrane Leichtfüßigkeit im Kreuzgang und zog zwischen alten Holzdecken und noch älteren Steinböden durch modernes Gastronomiedesign einen Hauch von Toskana ein.

Mittlerweile wurde das Prachtstück auch in Toni Mörwalds kulinarisches Tourneetheater eingegliedert, in welchem „Big Toni“, auch wenn er sich gerne in Kochjacke ablichten lässt, zunehmend den Part des Impresarios, Managers und Trend-Scouts spielt. Damit er das tun kann, muss er freilich perfekte Teams wie jenes rund um Leonard Cernko schaffen, die auch dann zu Höchstleistungen fähig sind, wenn der Chef, wie häufig, Kochkurse abhält oder mit der Digi-Cam in den besten Häusern der Welt auf Ideensuche weilt.

Außerdem versteht es Toni Mörwald perfekt, zwischen seinen zahlreichen Betrieben einen produktiven Konkurrenzkampf zu entfachen, der alle zu Höchstleistungen anspornt. Die Kremser Truppe um Cernko, und seine Kombattanten Manfred Schilcher und Norbert Mayer ist, was Performance und Motivation betrifft, zurzeit kaum zu überbieten und hat sich auf wahre Menü-Feuerwerke, die aus zahlreichen kleinen, leicht verdaulichen Gängen bestehen, spezialisiert.

Ein Beispiel: Gänseleberparfait mit Kohlrabi-Madeiragelee, Jakobsmuscheln mit Mango und Chicoree, Flusskrebsravioli mit jungem Spinat, Petersfisch mit Artischocken, Steinbutt mit Sommertrüffel, Lammrücken mit gebackenen Erdäpfelnudeln, Kokostörtchen, Melonensüppchen und Schokoküchlein mit marinierten Beeren und Vanilleeis.

Das alles wird flott, unprätenziös und kompetent serviert, und dass an geeigneten Tropfen dazu kein Mangel herrscht, beweisen allein die dekorativen Flaschen-Displays an den Wänden. Erschöpft ist der Gast am Schluss eines solchen Menüs keineswegs, das sind eher schon die Köche. Die gingen nämlich, kaum war der letzte Gang serviert, mit einem Seufzer der Erleichterung kollektiv ins Schwimmbad. Sie haben sich´s verdient.

Mörwald Kloster Und, 3500 Krems, Undstraße 6
Tel: 0 27 32/70 493, Fax: 70 49 360
Ruhetag(e): Mo, Di
Info-Link:

www.moerwald.at

Web-Tipp: Christoph Wagner's Weblog:
www.speising.net