Wer kocht in Wien schon wirklich indisch?:
Herbert Hackers "In-der Not" in Österreich

Wer in Wien ein gutes indisches Restaurant sucht, hat es nicht leicht. Sieht man von dem winzigen "Indian Pavillion" am Naschmarkt ab – schon seit ewigen Zeiten der einzige halbwegs brauchbare Inder der Stadt -, schaut die Sache trist aus. Eine wirklich authentische indische Küche ist so gut wie nicht vorhanden, in den meisten Fällen hat das gebotene mit Indien so viel zu tun wie steirisches Kernöl mit Australien.

Warum das so ist, weiß niemand. An der mangelnden nachfrage kann es wohl nicht liegen, eher schon am Angebot. Zwar sperren immer wieder da und dort einschlägige Lokalitäten auf, im Endeffekt aber sind sie meist enttäuschend und erweisen sich als zwielichtige Klischee-Kaschemmen im Bollywood-Stil.

Ein neuer Inder
Jetzt hat wieder ein Inder aufgesperrt: das OM im Bermudadreieck ein kleine Lokal mit Tischen im Erdgeschoß und im ersten Stock. Von außen wirkt der Indien-Winzling zumindest interessant, au0erdem treibt einen ja die Hoffnung in die gute Stube, es könnte diesmal zur Abwechslung auch gut gekocht werden.

Nichts Neues
Schon der erste Blick in die Karte lässt allerdings Zweifel aufkommen. Rasend originell ist die Auswahl nicht, diverse Lamm- und Hühnerfleischgerichte, als Spieße, gegrillt oder als Curry, gehören bei allen Indern mehr oder weniger zum Standardprogramm. Das unvermeidliche "Tandoori-Huhn" ist natürlich auch dabei. Egal, was man hier bestellt, ob Vorspeisen oder Hauptgerichte, eine Salat-Mischung wie in österreichischen Landgasthäusern der 70er-Jahre lagert stets am Tellerrand. Ungleich wohltuender ist hingegen die Antwort des überaus freundlichen Kellners auf die Frage: "Ist das Ihrer Meinung nach indisch?" "Nein", lächelt er sympathisch und kontert: "Wer kocht in Wien schon wirklich indisch?"

OM
1010 Wien
Rabensteig 1
Tel.: 01/925 64 89
Öffnungszeiten: täglich von 11-23 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 6, Hauptspeisen bis 18 Euro