Fasten: So werden Körper & Geist gereinigt

In der Fastenzeit verzichten viele auf Alkohol und Süßigkeiten, aber worauf muß man beim Fasten achten?

So fastet man richtig

So fastet man richtig

Nach all den Schlemmereien im Winter ist Fasten eine Wohltat für Körper und Seele. Wer eine solche Kur möglichst beschwerdefrei absolvieren möchte, sollte aber einige Regeln beachten.

Ausschweifend, gehaltvoll und vor allem kalorienreich: Im Winter wird oft im Übermaß genascht und geschlemmt. Doch manchen ist es irgendwann zu viel. Sie entscheiden sich bewusst für eine Auszeit - und fasten. Die einen tun das aus gesundheitlichen Gründen, zum Beispiel mit Heilfasten. Andere verzichten in der nach Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit aus eher religiösen Motiven auf Genussmittel wie Alkohol oder Schokolade. Ein Überblick mit Fragen und Antworten rund um das Thema.

Was ist Fasten?

"Fasten ist der bewusste und freiwillige Verzicht auf Nahrung und Alkohol über einen begrenzten Zeitraum", sagt die Ernährungsexpertin Antje Gahl. Üblicherweise dauert es zwischen fünf und zehn Tagen. Länger kann es gefährlich sein, und ohne ärztliche Begleitung sollte man es keinesfalls tun. "Fasten kann aber auch bedeuten, dass man freiwillig für eine Zeit lang lediglich bestimmte Nahrungsmittel wie etwa Süßigkeiten oder Fleisch weglässt", erklärt der Allgemeinmediziner Hans-Michael Mühlenfeld.

Warum Fasten?

Fasten ist ein uralter religiöser Brauch. "Er kommt in allen Weltreligionen vor", erläutert Gahl. Der Körper soll damit vor Festen quasi gereinigt werden. Ein moderner Grund sieht etwas anders aus: "Die meisten fasten, um damit ihr Gewicht zu reduzieren", sagt Günther Gunzelmann, der sich als Arzt auf Fasten und Ernährung spezialisiert hat. Aus seiner Sicht wirkt sich Fasten aber auch positiv auf das seelische Wohlbefinden aus. Wer es aus Gründen der Gewichtsreduktion tut, sollte im Anschluss seine Essgewohnheiten auf den Prüfstand stellen - sonst hat das Fasten wenig Sinn und ein Jo-Jo-Effekt stellt sich ein.

Wer kann fasten?

"Prinzipiell kann jeder gesunde Erwachsene fasten", sagt Gahl. Wer zum ersten Mal fastet, sollte sich einer Fastengruppe anschließen, rät Gunzelmann. Der Vorteil: Die Teilnehmer unterstützen sich gegenseitig mental, falls der Wille zum Durchhalten leidet. Mühlenfeld ist aber überzeugt: "Man muss es innerlich wirklich wollen und aus Überzeugung tun, dann klappt es."

Und wer sollte es bleiben lassen?

Vom Fasten absehen sollten Schwangere, Stillende sowie Kleinkinder und Heranwachsende unter 14 Jahren. "Auch diejenigen, die eine schwere Infektionskrankheit wie etwa eine Bronchitis gerade hinter sich haben, sollten tunlichst aufs Fasten verzichten", empfiehlt Gunzelmann. Wer unter einer Essstörung leidet, verzichtet ebenfalls möglichst aufs Fasten.

Sollte man vor dem Fasten seinen Hausarzt konsultieren?

Wer regelmäßig Medikamente nimmt, spricht idealerweise in jedem Fall vor dem Fasten mit seinem Hausarzt. Das gilt vor allem für jene, die unter Bluthochdruck, Diabetes oder unter bestimmten Herzkrankheiten leiden. "Bei einer Fastenkur und gleichzeitiger Einnahme von entwässernden Arzneimitteln besteht die Gefahr eines Gichtanfalls", warnt Mühlenfeld. Um die Gefahr von solchen und anderen Beschwerden zu minimieren, ist ein vorsorgliches Gespräch mit dem Arzt nicht verkehrt.

Wie wird gefastet?

"Am populärsten ist die Methode nach Buchinger", sagt Mühlenfeld. Diese Kur ist nach ihrem Erfinder Dr. Otto Buchinger benannt. Zunächst steht eine gründliche Darmreinigung mit Einläufen an. Dann wird fünf bis zehn Tage lang keine feste Nahrung zu sich genommen, es gibt nur Flüssiges. Über Gemüsesuppe bekommt der Körper wichtige Mineralstoffe, über Obstsaft Vitamine. "Wer länger als zehn Tage nach dieser Methode fastet, sollte dies unbedingt in einer Klinik tun", so Gunzelmann.

Ebenfalls bekannt ist die sogenannte Schroth-Kur. Der Name geht auf den Erfinder, Johann Schroth, zurück. Zu essen gibt es Getreidebrei mit Zwetschken und marillen. Daneben steht gedünstetes Gemüse auf dem Speiseplan. Schwitzkuren mit feuchten Umschlägen sollen die Ausscheidung anregen. Die Kur besteht aus Trinktagen und Tagen, an denen es nichts Flüssiges gibt. An den Trinktagen werden die Substanzen, die sich im Körper angestaut haben, ausgeschieden.

Eine weitere Fastenmethode ist die nach Franz-Xaver Mayr. Dabei geht es vorrangig darum, den überreizten Magen-Darm-Trakt zu beruhigen. Unterstützt wird die Ausscheidung durch Bauchmassagen. Außerdem wird bei dieser Kur viel Wasser und Tee getrunken sowie pro Tag ein bis zwei Semmeln mit etwas Milch oder Joghurt gegessen.

Wie bereitet man sich auf das Fasten am besten vor?

"Möglichst sollte man schon ein paar Tage vor der Kur weniger essen als sonst", empfiehlt Gunzelmann. Dann ist die Umstellung für den Körper nicht zu radikal. Der ideale Zeitpunkt für eine Fastenkur sind aus Sicht von Gunzelmann Urlaubszeiten: Dann sind Körper und Geist im Ruhezustand. Wer lieber außerhalb der Ferien fasten möchte, legt den Beginn der Kur möglichst auf einen Freitag. "So hat man bei der Umstellung noch die zumeist ruhigeren Tage am Wochenende vor sich", so der Arzt. Nach dem Fasten ist wichtig, in kleinen Schritten zur gewohnten Nahrung zurückzukehren.

APA/dpa, 05.02.2015