Der G’spritzte - wohl das beliebteste alkoholische Erfrischungsgetränk

Ob ein G’spritzter Eiswürfel, Zitronenscheiben oder Minzeblättchen braucht, darüber kann man streiten. Hier sind die verschiedenen Variationen und die sieben goldenen Spritzer-Regeln.

G'spritzter

G'spritzter

Sommerspritzer

Die „erleichterte“ Variante des G’spritzten mit etwas mehr Sodawasser als Weißwein. Der Sommerspritzer ist ein beliebtes Getränk im Badebuffet, an Grillabenden und bei allen Gelegenheiten, wo es in erster Linie darum geht, den sommerlichen Durst zu löschen.

Roter G’spritzter

Lange Zeit verpönt, erfährt der rote G’spritzte derzeit wieder regen Zuspruch. Das mag daran liegen, dass die rosige Farbe durchaus Attraktivität besitzt, aber auch daran, dass gegen eine Mischung eines fruchtigen, säurereichen Rotweins, wie es der Zweigelt ist, mit Sodawasser eigentlich nichts spricht.

Kaiserg’spritzter

Eine gastronomische Version eher jüngeren Datums. Beim Kaiserspritzer wird die herkömmliche Mischung durch einen Schuss Holunderblütensirup veredelt und mit Eiswürfeln gekühlt. Das ist immerhin fast schon ein Cocktail. Beim Urbanek am Naschmarkt.

Liftler

Hört auch auf den Namen „Süßer G’spritzter“ und ist nicht zuletzt nach Etablierung des Radlers in freier Wildbahn mittlerweile relativ selten geworden. Liftler setzt sich aus 50 % Weißwein und 50 % Zitronen- oder Kräuterlimonade zusammen.

Sprizz

Der venezianische Verwandte des österreichischen G’spritzten, ähnlich, aber doch ganz anders. Zu Weißwein und Soda kommt nämlich noch ein Schuss bitter-fruchtigen Amaros dazu, meistens Aperol oder Campari. Das gibt dem G’spritzten gleich jede Menge Grandezza, dieses Getränk muss nicht mehr ins Henkelglas, sondern darf auch im hohen Tumbler serviert werden.

Hugo

Gewissermaßen eine Weiterentwicklung des Kaiserg’spritzten, bestehend aus Prosecco, Sodawasser, Holunderblütensirup und ein bisschen frischer Minze. Der Hugo war DER erfolgreiche Sommer-Cocktail der Jahre 2011 und 2012.

G'spritzer beim Heurigen

G'spritzer beim Heurigen

Die sieben goldenen Spritzer-Regeln

Bei der Herstellung eines richtig guten G’spritzten kann man eine Menge richtig machen – und eine Menge Fehler begehen. Eine kleine Anleitung zur Herstellung des perfekten Spritzweins.

  • Der richtige Wein: Jahrelange Forschungen haben ergeben, dass der Wein für einen richtig guten, erfrischenden G’spritzten folgende Eigenschaften aufweisen sollte – Säure, Fruchtigkeit, Lebendigkeit, Frische und einen Alkoholgehalt von etwa 11,5 bis 12 %. Da kann man es drehen und wenden, wie man will, aber Grüner Veltliner, Weißburgunder, Welschriesling und Gemischter Satz erbringen diese Parameter am besten, im Idealfall im niederen Kabinett-Bereich, auch als sauberer Tafelwein durchaus brauchbar.
  • Das richtige Wasser: Auch beim Wasser sollte man nicht allzu ehrgeizig sein – je neutraler der Geschmack, niedriger die Mineralisierung und höher die Karbonisierung, desto besser. Gutes, „normales“ Mineralwasser ist also sicher keine schlechte Wahl, die gute, alte Sodaflasche hat allerdings gerade beim G’spritzten auch ihre Berechtigung.
  • Der gute Wein: Der Versuch, fehlerhaften Wein – etwa durch Korkschmecker verdorben, ausgeraucht, mit Essig-Stich etc. – als Spritzer zu verwerten, scheitert kläglich. Die Fehltöne treten durch die Kohlensäure des Sodawassers nämlich umso deutlicher zu Tage, das Ergebnis ist schlichtweg untrinkbar. Auch süßer Wein eignet sich überhaupt nicht zum Spritzen, ebenso wenig Weine, die im Barrique ausgebaut wurden.
  • Die richtige Reihenfolge: Über die Reihenfolge beim Spritzer-Mischen gibt es unterschiedliche Schulmeinungen. Die einen sagen, dass das Wasser zuerst ins Glas muss, da der Wein ein höheres spezifisches Gewicht besitzt und sich dadurch beim Eingießen automatisch und sanft mit dem Sodawasser mischt. Die anderen sagen, sie hätten lieber gerne zuerst das abgemessene Achterl Weißwein im Glas, um nicht etwa mit einem „Sommerspritzer“ betrogen zu werden.
  • Die richtige Menge: Anders als bei Bowle oder Sangria gewinnt der G’spritzte keinen Vorteil daraus, in großen Gebinden gemischt zu werden. Die Lebendigkeit dieses ebenso schlichten wie köstlichen Getränks rührt daher,
    dass er „à la minute“ und portionsweise – also im Idealfall 0,25 Liter – hergestellt wird. Sonst raucht er aus, wird fad, verliert an Witz.
  • Das richtige Glas: Man kann den G’spritzten natürlich trinken, woraus immer man will. Die Österreichische Weinmarketing ließ in den 90er-Jahren eigens ein formschönes Spritzer-Glas gestalten und sogar die renommierte Glashütte Riedel designte ein Gefäß für die österreichische National-Mischung. Am besten schmeckt der Spritzwein allerdings aus dem Henkelglas, alias Krügel. Da bleibt er
    am längsten frisch und kühl.
  • Der richtige Name: Das ist eine heikle Angelegenheit. Das beliebte Mischgetränk aus Weißwein und Sodawasser heißt nämlich überall ein bisschen anders. Wird man in Ost-Österreich mit „G’spritzter“ und „Spritzer“ kein Problem haben, hört man in der Steiermark lieber den Begriff „Mischung“ und erzeugt in Wien (allerdings nur dort) mit „Sprühwein“ oder „Spritzwein“ durchaus freundliche Nasenlöcher. Was man – bei allem freundschaftlichen Respekt gegenüber den nördlichen Nachbarn – in Österreich zum G’spritzten nicht sagen sollte: Schorle.

Das ist eine gekürzte Version des Berichtes aus dem Heft 9/2014.