Vegan boomt

Schon rund 17 Prozent der 18- bis 40-jährigen Österreicher verzichten auf Fleisch. Der Anteil derer, die alle tierischen Produkte sein lassen, steigt rasant. Plus: Das Lexikon der Ess-Stile.

Gemüse

Der Fleischlos-Boom rollt – "vegan" gilt als das neue "bio". Und Promis von Bill Clinton, Brad Pitt und Mike Tyson bis Natalie Portman, Ellen DeGeneres, Beyoncé und Alicia Silverstone propagieren Ernährung ohne totes Tier, Milch und Ei. Mit gutem Grund, wie Daten aus der Wissenschaft belegen.

Weltweit werden derzeit alljährlich über 40 Prozent der Getreideernte an Tiere verfüttert, die Konsumenten dann als Schnitzel-, Steak- und Gulaschfleisch feilgeboten werden (Quelle: Fleischatlas 2014). An die zehn Prozent des Süßwassers und 30 Prozent der eisfreien Erdoberfläche dienen schon jetzt allein der Viehmast. Doch auch in Ländern, in denen Fleischessen bisher weniger gefragt oder nicht leistbar war, steigt die Lust auf westlichen Lebensstil und somit auch auf tierische Genüsse.

Kein Wunder, dass Forscher im Labor an künstlichem Faschierten basteln, weil klar ist, dass dieser Planet einen weiteren Anstieg der Fleischgier nicht vertragen wird. Kurzum: Man braucht nicht einmal einem "Muhkuli" ins Auge zu schauen oder die brutalen, lebensverachtenden Praktiken der Massentierhaltung zu sehen, um an der Fleisch- und Wurst-Theke ein mulmiges Gefühl zu kriegen.

Keine Frage: Der Mensch ist als Allesfresser konzipiert. Allerdings essen Bürger der Industrienationen längst mehr als doppelt so viel Fleisch, als Ernährungsexperten raten – höchst ungesund, nicht nur für den Planeten. Denn die enthaltenen Mengen an Fett, Cholesterin und Purinen begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht und andere Leiden.

Bereits neun Prozent sind Vegetarier oder Veganer

Wer nachdenkt, denkt um. Fakten wie diese sind längst kein Geheimnis mehr. Und sie beflügeln den Trend. Laut aktueller IFES-Studie sind bereits neun Prozent der Österreicher Vegetarier oder Veganer. Noch 2005 waren es mickrige drei Prozent. Umfragen zeigen, dass über die Hälfte der Österreicher umweltbewusst und nachhaltig leben möchte – und somit wohl bereit wäre, auch den Speiseplan zu ändern.

Du bist, was du isst – das Lexikon der Ess-Stile

  • Vegetarier essen nur Produkte, für die kein Tier sterben musste: Milch, Eier, Honig & Co sind ok, Fleisch, Fisch & Meeresfrüchte stehen nicht auf dem Speiseplan. Untergruppen sind die Ovo-Vegetarier, die Eier, aber keine Milchprodukte und die Lacto-Vegetarier, die Milchprodukte, aber keine Eier essen.
  • Veganer verzichten ganz auf Nahrung tierischen Ursprungs. Also neben Fleisch zB. auch Eier und Milch sowie die daraus hergestellten Lebensmittel und Zusatzstoffe.
  • Frutarier meiden nicht nur Tierisches, sondern wollen auch nicht Pflanzen ihretwegen „leiden“ lassen. Deshalb ernähren sich Frutarier nur von pflanzlichen Produkten, deren Gewinnung die Pflanze nicht schädigt: Fallobst, Nüsse und Samen, manche auch Honig.
  • Pescatarier verzichten auf Fleisch, essen aber Fisch. Auch Honig, Eier & Milch sind erlaubt, manche essen auch Krebs- & Weichtiere.
  • Rohköstler sind für alle Lebensmittel offen, allerdings dürfen diese nicht auf mehr als 40 Grad erhitzt werden oder müssen im Rohzustand sein. So sollen möglichst viele Inhaltsstoffe bewahrt bleiben.
  • Freeganer sind Aktivisten. Grundsätzlich sind keine Lebensmittel verboten, nur dürfen sie nicht aus kommerziellem Handel stammen, müssen quasi „for free“ sein. Sie essen nur selbstangebaute, geschenkte, gefundene oder von anderen weggeworfene Produkte, um auf verschwenderisches Konsumverhalten und auf Armut hinzuweisen.
  • Makrobiotik war die Trend-Ernährung in den 1980er-Jahren und soll nicht nur die Grundlage für Gesundheit, sondern auch für Glück sein. Im Prinzip geht es darum, dass die Nahrung zu 60 Prozent aus Getreide besteht, dazu gibt es gekochtes Gemüse, Weißfisch, Hülsenfrüchte, Meeresalgen, Salz und möglichst wenig Flüssigkeit. Vorzugsweise sind diese Nahrungsmittel biologisch, regional angebaut und vollwertig oder nur sehr geringfügig weiterverarbeitet. Manche Gemüsesorten, Mikrowellen und Nahrungsergänzungen werden gemieden.
  • Flexitarier nehmen alles nicht so genau. Sie versuchen Fleisch zwar der Gesundheit zuliebe zu reduzieren, aber ab und an landet doch mal ein Steak auf ihrem Teller. Flexitarier geht es nicht unbedingt um das Tierleid an sich, sondern um ihre Gesundheit.

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