Aufzuckerung bleibt: EU-Agrarminister einigen sich auf Reform der Weinmärkte

Die EU-Agrarminister haben sich in Brüssel nach fast zweitägigem Tauziehen auf eine Generalreform der EU-Weinmarktordnung geeinigt. Das verlautete aus Delegationskreisen und der EU-Kommission. Damit sollen die rund 1,3 Mrd. Euro, die jährlich aus dem EU-Haushalt für den Weinsektor zur Verfügung stehen, in Zukunft vor allem in die Modernisierung des Weinbaus und de bessere Vermarktung fließen. Die bisher übliche Destillation von Weinüberschüssen, die jährlich fast die Hälfte des EU-Weinbudgets verbraucht hat, wird nach einer Übergangsperiode abgeschafft.

Die nördlichen Weinländer, wie Österreich und Deutschland dürfen weiter Zucker zum Anreichern des Most vor der Gärung verwenden. Im ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission war ein Aufzuckerungsverbot vorgesehen gewesen, das aber von der Mehrheit der Länder abgelehnt wurde.

Pröll zufrieden
Landwirtschaftsminister Josef Pröll zeigt sich mit dem Ergebnis der EU-Weinmarktreform "absolut zufrieden". "Wenn man bedenkt, was am Anfang vorgelegen ist, kann man sagen: Diese Reform sichert nicht nur den Weinstandort Österreich ab, sondern gibt ihm auch eine sehr positive Entwicklungsmöglichkeit", sagte Pröll nach dem Abschluss der Beratungen. Österreich habe dadurch bis 2015 um rund 20 Millionen Euro mehr Geld für den Weinsektor zur Verfügung als bisher.

Aus österreichischer Sicht sei es gelungen, "die Giftzähne der ursprüngliche Reform" zu ziehen und zentrale österreichische Anliegen durchzusetzen. Trotzdem sei das gemeinsame europäische Ziel erreicht worden, nämlich Geldausgeben für Vernichtung von Weinüberschüssen mit einer Übergangsfrist von 4 Jahren zu stoppen. Damit könne die EU im europäischen Weinbau künftig stärker in Vermarktung, Innovation, Vermarktung und bessere Infrastruktur investieren.

"Status Quo" bei Zuckerung
Bei der Zuckerung bleibe alles beim "Status Quo", weil sowohl das Aufzuckerungsverbot als auch die Etikettierung vom Tisch seien, betonte Pröll. In schlechten Jahren könnte weiter im bisher üblichen Maß angereichert werden. Bei den Rodungsprogrammen erwartet er kaum Auswirkungen auf Österreich, weil es kaum Überschüsse gebe. Auch bei der künftig möglichen Angabe von Sorte und Jahrgang auch auf billigen Tafelweinen sieht der Landwirtschaftsminister keine Gefahr für Qualitätsweinproduzenten, weil das für Verschnitte von Weinen aus mehreren Mitgliedstaaten weiter nicht erlaubt sei. Zudem werde es strenge Kontrollen geben.

Österreich hatte bisher ein nationales Weinbudget für, Marketing, Umstellung von Weingärten und Investitionen in die Verarbeitung rund 6, 5 Mio. Euro pro Jahr zur Verfügung. Der Betrag wird von 2009 bis 2015 graduelle von 8 auf 13,7 Mio. Euro steigen. Mit dem Geld sollen weiter Investitionen in moderne Kellertechnik und vor allem die Vermarktung der österreichischen Weinen gefördert werden.

"Insgesamt ist es ein guter Kompromiss", sagte Pröll, insbesondere wenn man bedenke, dass das EU-Weinbudget seit 1999 von damals rund 640 Mio. Euro auf jetzt 1,4 Mrd. gestiegen sei. Hier werde mit der Reform ein Deckel eingezogen und nichts mehr für die Vernichtung ausgegeben, sondern das ganze Geld in zukunftsgerichtete und wettbewerbfähigere Weinwirtschaft.

(apa/red)