Because You Are Hungry

Toni und Bene, zwei Foodblogger aus Bayern, schlemmen sich durch ihre Wahlheimat Wien und sind immer auf der Suche nach Inspirationen für neue Gerichte.

Portrait Toni und Bene von Because You Are Hungry

Portrait Toni und Bene von Because You Are Hungry

Antonia Kögl und Benedikt Steinle, wie die beiden mit vollem Namen heißen, sind immer auf der Suche nach neuen Inspirationen für ihre Rezepte. Die Küche ist bei der Architektin und dem Grafikdesigner der zentrale Lebenspunkt und hier wird nun auch schon seit 4 Jahren (beide sind nach dem Studium gemeinsam nach Wien gezogen) gegen den Stress im Alltag angekocht.

Im Februar haben die beiden ihren Foodblog "Because You Are Hungry" gestartet, der den LeserInnen die Freude an guten, einfachen und schnellen Gerichten und das Erlebnis und die Freude am Kochen an sich wieder in den Alltag zurückholen soll und auch gleich beim AMA Food Blog Award 2013 den ersten Platz in der Kategorie "Newcomer" abgeräumt.

Toni und Bene haben uns erzählt, was sie am liebsten kochen und essen und uns auch ein paar Tipps und Küchengeheimnisse sowie ihr Rezept für einen lauwarmer Orangen-Reissalat mit gebratenem Hühnchen verraten:

Die Beweggründe, einen Foodblog zu starten?
Gestartet hat alles vor zwei Jahren mit einem Experiment: 1 Jahr lang mindestens drei Mal in der Woche zusammen kochen. Das bedeutet Neues wagen, sich Gedanken machen, Zutaten gezielt und saisonal auswählen und dem Kochen an sich wieder bewusst Zeit zu widmen. Denn oft prägen Hektik und Stress den Alltag, man nimmt sich heutzutage kaum noch Zeit in der Küche, glaubt, man stehe abends Stunden am Herd und braucht viele teure Zutaten, um ein leckeres Gericht auf den Tisch zu zaubern. Nach diesem Jahr haben wir passend zu Weihnachten 2012 ein Kochbuch für Freunde und Verwandte im Eigenverlag herausgebracht. Dabei muss man anmerken, dass hier alles von uns war: von den Rezepten über die Fotos – welche immer abends auf dem Esstisch geschossen wurden – und zwar genau so, wie die Gerichte von uns dann auch gegessen wurden – bis hin zum Layout und der Umsetzung. Als dann die ersten Anfragen von Freunden kamen, wo man denn das Buch kaufen könne und uns immer mehr Leute fragten, was wir denn heute Abend kochen, war die Idee eines Foodblogs nicht mehr allzu weit. Denn hier können wir nicht nur alle Freunde und Leser immer aktuell über unsere Küchengeschichten informieren und unsere saisonalen Rezepte direkt weitergeben, sondern freuen uns ebenso über direktes Feedback und Anregungen, welche wir stets aufgreifen. Ihr seht also, wir haben es mal "andersherum gemacht" und uns durch die Idee eines eigenen Kochbuches und die Anregung von vielen lieben Freunden entschieden, unsere Passion mit vielen interessierten Lesern auf unserem Blog zu teilen. Mitte des Jahres hat sich dann ein Verlag bei uns gemeldet und mit ihnen zusammen haben wir unser Kochbuch überarbeitet und professionell umgesetzt. Seit Anfang des Jahres ist das Buch Because you are hungry – Kochen lieben lernen online und in diversen Buchhandlungen erhältlich.

Wie oft wird gekocht?
Jeden Abend. Ausnahme: Wir sind auf Lokaltour und lassen uns bekochen. Generell denke ich, dass wir meistens zwei Mal die Woche auswärts zum Essen gehen, die anderen Abende werden zusammen in der Küche verbracht, wobei wir hier nicht immer alles fotografieren – sonst könnte ich ja jeden Tag einen Blogbeitrag posten :)

Am liebsten koche ich für ...?
Primär kochen wir beide einfach unglaublich gerne zusammen und somit für den Anderen. Die Küche ist der zentrale Ort in unserer Wohnung, das Kochen weit mehr als nur ein Hobby, vielmehr mittlerweile zu einem Lebensstil geworden, verbunden mit vielen Marktspaziergängen, Weinverkostungen oder anderen Entdeckungstouren – am liebsten auch direkt vor Ort bei Produzenten toller Produkte. Für uns beide gibt es nichts Besseres als einen Abend in der Küche, sehr gerne auch mit lieben Freunden, welche dann entweder bekocht oder sogar von unserer Kochlaune angesteckt werden und selbst zum Kochlöffel greifen.

Welche Musik läuft beim Kochen?
Toni: Ich bin zur Zeit total auf der Swing- und Jazz-Schiene. Erst kürzlich habe ich mir eine Platte von Dave Brubeck gekauft, die ich seit Tagen laufen lasse. Bene: Eigentlich liebe ich elektronische Musik, höre aber auch gern 70er-Jahre, Indie, Singer-Songwriter-Zeug usw. – ich bin zwar wählerisch mit meiner Musik, aber durchaus mit einem großen Horizont. Irgendwo zwischen Moderat, Pink Floyd und französischem Chanson :). In der Küche beuge ich mich aber meist Tonis Musikgeschmack.

Welche drei Zutaten sind immer im Vorratsschrank?
Oh, das sind aber weit mehr als nur drei. Deswegen ist unsere kleine Speise neben der Küche auch immer bis unter die Decke gefüllt. Wir haben zum Beispiel erst kürzlich ein frisches (selbstgemachtes) Olivenöl von einer lieben Freundin geschenkt bekommen, auf das wir beide im Moment nicht verzichten wollen. Also hätten wir da eben dieses Olivenöl, ein kleines Gläschen Fleur de Sel und frischen Parmesan. Warum gerade diese Zutaten? Nun – schmeißt man hier noch selbst gemachte Pasta dazu (Toni hat seit kurzem eine Nudelmaschine und ist im "Pasta-selbst-mach-Fieber") hat man schon ein simples, super leckeres Abendessen :). Ihr seht – wir können auch ohne Einkaufen nicht verhungern :).

Welche Gemüsesorten / Obstsorten werden am liebsten in den Rezepten verwendet?
Das können wir nicht pauschal beantworten. Wir legen sehr viel Wert auf Saisonalität, auf unserem Blog durchlebt man mit uns die Jahreszeiten. Und so wie sich die Zeiten ändern, ändert sich auch das Obst- und Gemüseangebot. Fahren wir im Herbst voll auf Kürbis, Feigen und dergleichen ab, kommt im Frühsommer der Spargel auf unsere Teller. Wichtig ist uns, dass man darauf achtet, regionale Produkte zu kaufen und zu verwerten. Geht man am Samstag auf dem Markt einkaufen, trifft man auf die Bäuerinnen, die gerade die frische Ernte zum Verkauf anbieten. Geht man unter der Woche auch mal in den Supermarkt, hat man immer die Auswahl zwischen einem Produkt aus Österreich oder einem importierten. Letzteres vermeiden wir zu kaufen – denn wenn es eben gerade nicht Saison hat, warum brauchen wir es denn dann unbedingt?

Meist überschätzte Zutat?
Für uns alles, was sich nach "Luxus" anhört. Eine Definition, die so gar nicht zu uns und unserer Koch- bzw. Lebenseinstellung passt. Ein Beispiel hierfür wäre Kaviar – schmeckt nach dem, womit man ihn mariniert. Also warum dann essen?

Oft unterschätzte Zutat?
Pauschal gesagt Basic-Zutaten, bei denen man nicht sparen sollte und die den Geschmack von "gut" in "fantastisch" ändern können. Ein Beispiel hierfür wäre frisches Olivenöl aus Italien, direkt vom Olivenbauer oder leckere Butter von der Bäuerin.

Welche Kochutensilien dürfen in keiner Küche fehlen?
Ein scharfes Messer zum Schnibbeln, unser alter, geschmiedeter Wok (darin gelingt einfach jedes Curry) und ein Glas Wein – dann kann's ja schon losgehen, oder?

Welches Gericht wird gerne für Gäste gekocht?
Immer etwas anderes. Nie das gleiche zweimal. Dafür haben wir viel zu viele Ideen im Kopf. Wir kochen aber sehr gerne nicht nur einen Gang, sondern starten den Abend meist im Stehen mit ein paar Häppchen und einem Gläschen Prosecco. Als Vorspeise gibt es oft etwas Kaltes – zum Beispiel ein asiatisches Rindertatar. Die Hauptspeise kann – muss aber nicht – fleischlastig sein (wir haben jedoch keine Vegetarier im Freundeskreis – das heißt, wir können hier gut experimentieren) und das Dessert kommt gerne im kleinen Glas daher – so hat jeder seine Portion und man muss es nicht zwingend am Tisch essen. Ach ja – wenn wir bei uns zu Hause eine kleine Party geben, bereiten wir natürlich am liebsten ein großes Buffet mit ganz vielen Kleinigkeiten – Toni kann sich nämlich nie auf nur 2 oder 3 Gerichte beschränken. :)

Lieblingsessen als Kind?
Toni: Salzkartoffeln, Spinat und Spiegelei. Daran kann ich mich erinnern, das gab es bei uns oft nach der Schule. Mache ich übrigens auch heute noch gerne ab und zu, auch wenn Bene nicht so ein Salzkartoffel-Fan ist. Bene: Königsberger Kloppse. Meine Großmutter war aus Berlin und das war ein geniales Gericht, das sie meiner Mutter mitgegeben hat.

Aktuelles Lieblingsgericht?
Toni: Aktuell – und nicht zuletzt wegen meiner Nudelmaschine, die es zu Weihnachten gab – jegliche selbst gemachte Pasta. Ob Spaghettini, Tagliatelle oder Ravioli mit Kräutern oder Gemüse der Saison gefüllt, es dreht sich gerade alles um Nudeln bei mir. Bene: Immer das, was wir gerade kochen :)

Ungesund, aber die Finger davon lassen ist schwer?
Toni: Ich habe zu Weihnachten viel eingekocht, viel experimentiert. Und mich dabei in selbst gemachtes Confit de Lait verliebt. Ist extrem ungesund, und so unglaublich gut, dass ich bald mal Nachschub machen muss :). Bene: Ja bitte, wir brauchen dringend mehr davon :)

Der größter Fauxpas in der Küche bisher?
Ich kann mich noch gut daran erinnern: Als wir frisch in unsere Wohnung gezogen sind, war dort noch ein sehr alter Gas-Backofen. Und in diesem wollte ich Bene zum Geburtstag seinen Lieblingskuchen – einen gedeckten Apfelkuchen – machen, den ich im Übrigen schon gefühlte tausend Mal gemacht hatte – tja, dieses Mal war der Boden pechschwarz und die Creme fast flüssig :). Zwei Wochen später ist der Gasofen auf den Sperrmüll gewandert und ein elektrischer Backofen eingezogen.

Woher kommt die Inspiration?
Die Inspiration kommt von überall her. Man muss nur seine Augen öffnen, wenn man durch die Straßen geht, über den Markt spaziert oder im Restaurant bewusst den Köchen zuschaut (wenn es ein Open-Kitchen-Konzept ist). Das ist uns so wichtig – man sollte seine Umgebung entdecken und verstehen lernen. Ideen zu Rezepten kommen uns in der Regel, wenn wir eine tolle Zutat entdecken. Aber auch andere Blogs, Bücher und Magazine inspirieren uns oft dazu, Neues und Anderes auszuprobieren.

Lieblingskoch / Lieblingskochbuch?
Das ist gerade einfach: natürlich unser eigenes Kochbuch. Wir haben wirklich sehr viel Arbeit und Liebe hinein gesteckt, monatelang Rezepte entwickelt, alles selbst gekocht und fotografiert – bei uns daheim ohne Fotostudio oder Profis. Das Layout stammt genauso aus unserer Hand wie die Headline-Schrift, welche Bene eigens für unser Buch entwickelt hat. Ihr seht also, das ist wirklich voll und ganz unser Baby. In dieser intensiven Phase haben wir ganz bewusst auch keine anderen Kochbücher gelesen, denn wir wollten uns nicht von zu sehr von außen beeinflussen lassen.

Aktuelles Lieblingslokal?
Da antworten wir beide das Gleiche: Einerseits wäre da Das Engel in der großen Pfarrgasse im 2. Bezirk. Ein wunderbar herzliches Lokal, klein und gemütlich mit einem unglaublich tollen, aufmerksamen Service und einer grandiosen Küche. Andererseits sind wir ganz verrückt nach dem Mochi in der Praterstraße – ebenfalls im 2. Bezirk. Jeder Abend in dieser kleinen Perle mit ihrer großartigen Innenarchitektur und der japanisch inspirierten Küche ist etwas ganz besonderes.

Was kommt auf keinen Fall auf den Teller?
Toni: Tja, da werdet ihr bei mir den Kopf schütteln, aber es gibt ein paar Dinge, die ich definitiv einfach nicht mag. Dazu gehören Artischocken, Kohlsprossen oder auch Radicchio. Bene: Kohlsprossen :).

Die schrägste Mahlzeit bisher?
Puh … Da wir stets experimentierfreudig sind, kommen uns des öfteren ungewöhnliche Speisen unter. Letztens waren wir zum Beispiel im "Aming Dim Sum Profi" und haben uns an dem hundertjährigen Ei versucht. Das war schon sehr speziell :).

Der ultimative Küchentipp?
Wir sind uns nicht sicher, ob wir den haben :). Man darf sich nicht verbiegen, nicht zu viel wollen. Unserer Überzeugung nach braucht man sich keine wilden Kreationen mit hunderten Zutaten überlegen, denn so kocht "man" daheim nicht. Außerdem muss man nicht Unsummen ausgeben, um Abends ein "Wow-Erlebnis" am Herd zu haben, meist sind es ganz gewöhnliche Produkte, welche – schlau kombiniert – ein wahres Geschmackserlebnis hervor bringen.

Rezept: Lauwarmer Orangen-Reissalat mit gebratenem Hühnchen

Zutaten für 2 Personen

  • 250 g Reis
  • 1/2 Gurke
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • 2 Handvoll Cocktailtomaten
  • 2 große Bio-Orangen
  • 1 Bio-Blutorange
  • 250 g Bio-Hühnchenbrustfilet
  • 2 EL Sesamöl

Für das Dressing:

  • 1 Bio-Orange
  • 4 EL Olivenöl
  • 1 EL weißer Balsamico
  • 1 Handvoll gehackter Koriander
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung

Das Essen ist nicht nur sehr gesund, sondern auch ratzfatz fertig. In einem kleinen Topf den Reis zusammen mit 1 1/2 Tassen Wasser erhitzen. Sobald er einmal aufgekocht ist, die Hitze reduzieren und bei niedrigster Stufe leicht köcheln lassen. Sobald das Wasser unterhalb des Reises ist, die Herdplatte ausstellen und den Reis ruhen lassen. Das ganze bitte mit geschlossenem Deckel.

Währenddessen die Gurke waschen und sehr klein würfeln. Auch die Frühlingszwiebeln in dünne Ringe schneiden, die Cocktailtomaten waschen und halbieren und alles in eine große Schüssel geben. Die Bio-Orangen waschen und mit einem scharfen Messer die Schale entfernen. Nun in dünne Scheiben schneiden und diese – je nach Belieben – noch einmal halbieren. Die Orangenstückchen in die Schüssel dazu geben und mit etwas Salz und Pfeffer würzen.

Dazu machen wir uns natürlich ein leckeres Orangen-Dressing. Hierzu die Orange auspressen und zusammen mit dem Olivenöl, dem weißen Balsamico und dem gehackten Koriander vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

In einer unbeschichteten Pfanne etwas Olivenöl mit 2 EL Sesamöl erhitzen. Die beiden Hühnchenfilets von beiden Seiten jeweils für 3 Minuten scharf anbraten, Hitze reduzieren und noch etwas garen lassen, bis das Fleisch innen durch ist.

Tipp: In jedem gut sortieren Asia-Laden bekommt man sehr gutes, dunkles Sesamöl.

Nun den fertigen Reis unter unseren Orangen-Gurken-Salat heben und gut mit dem Dressing vermischen. Das Hühnchen mit einem scharfen Messer in dünne Streifen schneiden und auf etwas Reissalat noch heiß servieren.

Als Dip könnt ihr zum Beispiel etwas Sauerrahm mit salzigen Erdnüssen mischen und in kleinen Schälchen anrichten.