Neues Buch vom Enfant Terrible: Spitzen-Weinkritiker veröffentlicht "Planet Wein"

Bisher gab es eine einfache Regel: Wer etwas auf sich hält, greift lieber zu Wein als zum Bier. Solche Vorurteile sind dem Weinkritiker Stuart Pigott zuwider. "Das elitäre Gehabe von Weintrinkern nervt mich", sagt er. Mit Äußerungen wie dieser avancierte er zu einem der international bekanntesten Weinkenner aus Deutschland.

Die "Weltwoche" nannte Pigott das "Enfant terrible der Branche". "Ich möchte meinen Lesern Selbstbewusstsein vermitteln, damit sie ihrem eigenen Urteil vertrauen können", erklärt Pigott. Das ist sein wichtigster Grundsatz: Es gibt keinen guten oder schlechten Wein. "Stattdessen sollte jeder den Mut haben zu sagen: Das schmeckt mir, den finde ich gut", sagt Pigott. Jeder könne seine Sinne für die verschiedenen Geschmacksrichtungen schärfen und sich ein gewisses Spezialwissen zulegen. So entdeckte auch der heute 44-Jährige einst den Wein für sich. Der gebürtige Brite unterbrach 1981 für ein Jahr sein Studium der Kunstgeschichte und jobbte als Weinkellner in einem Londoner Restaurant. Vorher hatte er als Jugendlicher nur "billigen Fusel" getrunken, jetzt lernte er die Unterschiede und die Vielfalt kennen.

Weingärtnern ist der neue Sex
Nun ist sein neuestes Buch "Planet Wein" im Scherz Verlag erschienen. Das ist für Pigott das Reizvolle am Wein: der ständige Wandel, nie bleibt ein Wein so wie er noch im vergangenen Jahr war. Deswegen bezeichnet er sich auch nicht als Weinexperte. "Ich stehe angesichts der Dynamik immer nur am Anfang", behauptet er. Das klingt gewollt bescheiden, ist aber Pigotts Erfolgsgeheimnis. Er grenzt sich durch sein Wissen nicht ab, sondern schlägt sich scheinbar auf die Seite seiner Leser. "Weinverkosten ist lästig und anstrengend", sagt Pigott über seinen Beruf. "Schnuppern und spucken ist blöd, trinken macht Spaß." Für seine Kritiker klingt so etwas selbstverliebt und populistisch, Pigott-Fans finden das unkonventionell und unterhaltsam. In dem Bildband "Planet Wein" stellt Pigott die verschiedensten Rebsorten auch nicht einfach nur vor. Er vergleicht ausdrucksstarke Weine mit der kräftigen Faust des Boxstars Mike Tyson und behauptet, "Weingärtnern ist der neue Sex".

Die Sprache der Generation
"Der moderne Weintrinker ist zwischen 25 und 40 Jahren alt", sagt Pigott. "Ich muss die Sprache dieser Generation sprechen, wenn ich sie erreichen will." Das tut der Weinkenner in seinen Büchern wie "Stuart Pigotts kleiner genialer Weinführer 2005" und bei Lesungen. Bei solchen Anlässen bleibt er seinem Motto treu und verrät nicht, welcher Wein gut oder schlecht ist. Pigott will nur vorschlagen und empfehlen. Auch dann überrascht er, wenn er sagt "Guten Wein gibt es auch im Supermarkt an der Ecke" - oder den italienischen Rotwein "Val di Luca" einer großen Drogeriekette lobt. (APA/red.)

Buchtipp
"Planet Wein" von Stuart Pigott
Scherz Verlag
22,90 Euro