Wein gilt als Gradmesser für das Klima: Forscher untersuchten Pinot-Noir-Traube

Im Wein liegt die Wahrheit, auch für Klimaforscher: Der über die Jahrhunderte sorgfältig aufgezeichnete Start der Weinernte im französischen Burgund zeigt, wie einzigartig der Rekord-Sommer des Jahres 2003 wirklich war. Französische Forscher mehrerer Institute haben den Reifeprozess der Pinot-Noir-Traube zum Gradmesser für die Temperaturen genommen

Die Forscher erkannten, "dass die Temperaturen im Sommer 2003 wahrscheinlich höher waren als in jedem anderen Jahr seit 1370." Die Studie präsentiert das Team um Klimaforscher Pascal Yiou im britischen Fachjournal "Nature".

Wein-Skala
Der eng von den Temperaturen abhängige Beginn der Weinernte wird in vielen europäischen Länder seit Jahrhunderten genau vermerkt. So liegen lückenlos Daten darüber vor, wann das Wetter im Frühjahr und Sommer "verrückt" gespielt hat. Kirchen- und Gemeindearchive im Burgund halten sogar bereits seit dem frühen 13. Jahrhundert den offiziell den Winzern vorgegebenen Start der "Vendange" fest. Die durch den Erntezeitpunkt von 1370 an ermittelten Temperaturdaten ähneln nach Forscherangaben den archivierten direkten Angaben zu den Temperaturen und den durch Baumringe ermittelten Sommerwetterlagen in Zentralfrankreich.

Auffallende Hitzeperioden
So hohe Temperaturen wie in den sehr warmen 1990er Jahren habe es in der Zeit von 1370 an mehrfach in dieser ostfranzösischen Region gegeben. "2003 scheint aber außergewöhnlich gewesen zu sein", fanden die Forscher über die "Wein-Skala" zur Entwicklung des Klimas heraus. Auffallende Hitzeperioden wie in den Jahren Ende des 20. Jahrhunderts gab es nach der Studie auch in dem Jahrzehnt von 1520 an sowie zwischen 1630 und 1680.

Rekord Sommer 2003
Der Sommer 2003 dagegen sei auf seine Weise einzigartig gewesen, halten die Forscher fest - er war im Schnitt um 5,86 Grad wärmer als die Vergleichsperiode von 1960 bis 1989. Am ehesten komme noch der Sommer von 1523 mit 4,1 Grad über den Vergleichswerten an das Superjahr heran. Die bisherige Annahme eines ungewöhnlich warmen Sommers im vergangenen Jahr sei damit gefestigt.(apa/red)