Christoph Wagners aktuelle Gourmetkritik:
Integration und gutes Essen im "Kontrast"

Weitgereiste Gourmets aus aller Welt kennen Padre Eligio, der in einem toskanischen Kloster in Cetona mit seiner "Frateria di Padre Eligio" schon seit Jahrzehnten ein weltberühmtes Feinschmeckerrestaurant betreibt, in dem ausschließlich von ihm zur Therapie anvertrauten Drogensüchtigen serviert und gekocht wird — und zwar durchaus auf Gourmetniveau. Nur wenige wissen indessen, dass es in Linz ein ganz ähnlich strukturiertes Restaurantmodell gibt, das allerdings nicht der Therapie von Drogensüchtigen, sondern zur Integration und Betreuung von psychisch beeinträchtigten Menschen dient.

Das äußerst geschmackvoll in zeitgemäßem Design eingerichtete Souterrainrestaurant mit dem gemütlich-schattigen Hintergarten wird, ebenso wie der benachbarte Waschsalon, vom Verein "Pro Mente" geführt. Es liegt im ehemaligen Milchhof und erfreut sich vor allem bei Geschäftsleuten der Linzer Innenstadt — die Landstraße ist eine Minute entfernt — größter Beliebtheit. Das Bemerkenswerte an diesem Restaurant ist allerdings nicht die Tatsache, dass, wer hier speist, einer guten Sache dient, sondern dass er tatsächlich augeszeichnet speist und auch ebenso bedient wird.

Calma e sangue freddo
Margaretha Durstberger, eine gastronomische Fachkraft und diplomierte Sozialbetreuerin, hat ihre Mitarbeiter ausgezeichnet im Griff. Der Service ist von erfrischender Freundlichkeit und lässt sich (zumindest solange nicht eine Stoßzeit ausbricht) durch nichts aus der Ruhe bringen. Auch die Weinkarte mit vielen Spitzenkreszenzen von Kerschbaum, Loimer und Skringer bis Umathum, Guigal und Prunottto kann sich kosten lassen. Ähnliches gilt für die Küche unter Oskar Haas, einen altgedienten Küchenprofi, der ebenfalls eine Spezialausbildung hat, um seine 18-Mann bzw. Frau starke Brigade zu führen (eine "Manpower", um die ihn so mancher Kollege aus der Topgastronomie wohl beneiden würde.)

Mediterranes mit einem Spritzer Austro
Der kulinarische Stil des Hauses ist austro-mediterran und zeichnet sich durch Liebe zum Grundprodukt ebenso aus wie durch Liebe zum Detail. Die Karte ist vernünftigerweise nicht allzu groß, bietet aber von Parmaschinken mit kunstvoll geschnitzter Melone über hausgemachte Schnittnudeln mit Spargeln über gebratenes Seeteufelfilet in Rosmarinkruste mit Zitronenpilzen und exzellenter Polenta bis hin zu saftig-zartem Almochsenfilet mit vorbildlichem Chicoreerisotto sowie lauwarmem Rhabarberkuchen mit Zimtrahm eine recht g'schmackige Melange. Mittags gibt's ein täglich wechselndes Menü um ca. 7 bis 9 Euro. Auch sonst ist die Preisgestaltung (Menüs von 18,50 bis 28 Euro) durchaus noch im "sozialen Bereich" angesiedelt.

Restaurant Kontrast
Südtirolerstraße 31
4020 Linz
Telefon: 0 732/66 84 70

Web-Tipp: Christoph Wagner's Weblog:
www.speising.net