Der internationale Weinboom ist vorbei: Überproduktion und steigende Konkurrenz!

Weltweite Überproduktion und steigende Konkurrenz machen es den österreichischen Winzern zunehmend schwerer auf dem Weltmarkt. "Österreich ist aber noch immer in einer guten Position, weil es nicht auf die Hauptrebsorten setzt. Diesen Vorsprung müssen wir aber mit der Marke 'Herkunft' schützen", gibt der Geschäftsführer der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft (ÖWM), Michael Thurner, im Gespräch mit der APA den Weg vor.

Die österreichischen Winzer müssen künftig daher umso mehr auf die "Nischenmärkte" mit den Rebsorten Blaufränkisch und Grüner Veltliner abzielen. Die globalen Hauptrebsorten Cabernet-Sauvignon, Shiraz und Merlot bei Rotwein sowie Chardonnay und Sauvingnon Blanc bei Weißwein machen in Österreich jeweils nur 3 bis 5 Prozent der Produktion aus, erläuterte Thurner. Gleichzeitig sei es aber unerlässlich, die Dachmarke "Herkunft" mit den DAC-Weinen zu forcieren. Ziel sei es, Herkunftsmarken zu schaffen, die dem österreichischen Wein eine langfristige Perspektive geben, beschreibt der ÖWM-Chef die "Gegenstrategie für Österreich".

Regionen schmecken unterschiedlich
Der Konsument werde lernen müssen, wie eine Region "schmeckt". So wie er mit Chianti oder Soave einen bestimmten Weintyp verbindet, müsse es auch für jede österreichische Weinbauregion einen gebietsspezifischen Geschmack geben. "Die Botschaft muss sein, dass das Kamptal anders schmeckt als die Thermenregion", betonte Thurner. Die Weinmarketing ist derzeit damit beschäftigt, die Gebiete zu positionieren und Gebietsprofile zu erstellen. Darüber hinaus werden die Winzer geschult, die ÖWM nimmt jeden Betrieb nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten auf Wunsch unter die Lupe und erstellt Geschäftsmodelle. "Die Weinwirtschaft soll professioneller werden", sagte Thurner. Ziel sei es, das Sortiment des einzelnen Winzers zu reduzieren.

Immer mehr Winzer am Markt
Jedes Jahr werden knapp 265 Mio. Hektoliter Wein weltweit produziert, zwei Drittel in Europa, ein Drittel in der Neuen Welt. Aus Österreich stammt davon gerade einmal 1 Prozent. Aber: "Der große internationale Weinboom ist vorbei", sagte Thurner. Die Zeit der hohen Gewinne sei Vergangenheit. "Immer mehr Winzer drängen auf den Markt, die Preise sinken, wenngleich die Qualitäten immer besser werden", erläuterte der Wein-Experte. Dazu komme, dass der Konsum mit dieser Entwicklung nicht mitgehalten habe. Die Hoffnungsmärkte China und Indien trinken zwar mehr Wein als zuvor, aber bei weitem nicht so viel, wie produziert werde: 15 bis 20 Prozent der Weltweinproduktion sind Überproduktion, 85 Prozent davon in Europa.

250 Mio. Liter Wein
China hat laut Thurner im Vorjahr nur 45 Mio. Liter Wein importiert, 7 Mio. Liter davon als Flaschenwein, den Rest als Fasswein, der als chinesischer Wein verkauft wird. "Das ist zwar ein Plus von 50 Prozent, China ist aber noch immer kein Markt, weil dort auch die Weinkultur fehlt", so Thurner. Und Indien schlage auf Weinimporte nach wie vor 400 Prozent Zoll auf. Zum Vergleich: Österreich trinkt im Jahr 250 Mio. Liter Wein. (APA/red.)