Echte Wiener Kaffeekultur besteht weiter: Kein Kaffeehaus-Sterben wegen Starbucks

Der Kaffeegenuss in gemütlicher Atmosphäre inklusive Zeitung und Bedienung hat in Wien seit Jahrhunderten Tradition. Um deren Ende fürchteten Pessimisten, als 2001 die erste Starbucks-Filiale aufsperrte. Seitdem buhlen eine Reihe von Coffeeshops um die Freunde des braunen Muntermachers und setzen dabei auf Pappbecher statt Porzellanhäferl und To-go-Variante. Von Kaffeehaus-Sterben oder Marktverdrängung könne jedoch trotzdem keine Rede sein, betonen Vertreter beider Seiten.

Laut Wiener Wirtschaftskammer seien Coffeeshops wie Starbucks weniger als Konkurrenz, denn als Ergänzung zu traditionellen Kaffeehäusern zu sehen. Dies belege die Tatsache, dass es den Wiener Traditionscafes "grosso modo" sehr gut gehe, sagte Josef Bitzinger, Obmann der Sparte Touristik- und Freizeitwirtschaft, auf APA-Anfrage. Umsatz- und Besucherzahlen bewegten sich auf stabilem Niveau. "Außerdem sprechen solche Ketten andere Bedürfnisse an als alteingesessene Häuser", begründete Bitzinger die friedliche Koexistenz. Während erstere auf Laufkundschaft bzw. schnellen Konsum in modernem Ambiente setzten, würden die Gäste eines traditionellen Kaffeehauses länger und bewusster an Ort und Stelle verweilen.

Allerdings stecke das Prinzip "Fastfood auf Kaffeebasis" im internationalen Vergleich hier zu Lande noch in den Kinderschuhen, betonte Bitzinger. Mittlerweile haben neben Starbucks aber auch eine Reihe anderer Ketten, etwa die österreichische "Coffeeshop Company", Standorte besetzt. Das Geschäft mit dem Muntermacher im Wegwerfbecher werde allerdings noch erheblich wachsen und stelle beispielsweise für Einkaufszentren ein attraktives Gastronomiekonzept dar. Die Wiener Kaffeehauskultur sieht Bitzinger jedenfalls nicht in Gefahr.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Reinhard Lischka, Pressevertreter von Starbucks Österreich. "Wir bedienen eine andere Schiene und sehen uns keinesfalls als Konkurrenz zu traditionellen Kaffeehäusern, sondern als wertvolle Ergänzung", meinte er gegenüber der APA. Seit dem ersten Österreich-Auftritt im Dezember 2001 habe das international bekannte Unternehmen mitgeholfen, eine neue Kultur des Kaffeegenusses einzuführen. "Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, seine Melange aus einem Pappbecher zu trinken", so Lischka. Dass einige Traditionscafes mittlerweile auch Coffee-to-go anböten, zeuge vielmehr von einer gegenseitigen Befruchtung.

Was die Geschäftsentwicklung in Österreich anbelangt, sei man bei Starbucks "nach einigen Startschwierigkeiten" nun "sehr zufrieden". Konkrete Zahlen zu Umsatz oder Besucherfrequenz in den mittlerweile elf Filialen seien aus firmenpolitischen Gründen allerdings nicht öffentlich zugänglich, sagte Lischka. Das Potenzial für Coffeeshops in nächster Zukunft beurteilte er als "durchaus positiv". Aus diesem Grund expandiere Starbucks auch kontinuierlich. Demnächst sollen neue Filialen hinzukommen. Eine Ausweitung vom innerstädtischen Bereich auf die Vorstädte sei längerfristig ebenso angedacht.
(APA)