Weinbaupräsident erwartet kleine Ernte: Zurückhaltung auch bezüglich der Qualität
Josef Pleil, Präsident des Weinbauverbandes, erwartet für heuer eine kleine Weinernte von etwa zwei bis 2,5 Mio. Hektoliter. Die Erntemenge des Vorjahres betrug 2,25 Mio. Hektoliter, war aber auch unter dem Durchschnitt. Gegenüber dem ORF-Radio äußerte sich Pleil auch zurückhaltend über die zu erwartende Qualität des Weins, die heuer "interessant" zu werden verspreche.
Wegen des heißen Wetters habe man heuer zwei bis drei Wochen Vegetationsvorsprung, sagte Pleil. Die Aromen entwickle der Wein aber durch die kühlen Nächte. Durch die Beschleunigung des Reifungsprozesses seien die kühlen Nächte heuer nicht in dem Umfang gegeben, manche Aromen könnten nicht gebildet werden, meinte Pleil. Er glaube nicht, dass die zu erwartenden geringen Erntemengen direkte Auswirkungen auf den Preis hätten, so der Weinbauchef im Radio-Interview.
Drei Wochen früher
Susanne Staggl von der Österreichischen Weinmarketing Gesellschaft rechnet ebenfalls mit unterdurchschnittlichem Ertrag, hielt sich bezüglich Qualität aber noch bedeckt - das Wetter kurz vor der Ernte sei ausschlaggebend. Die Haupternte werde der Weinexpertin zufolge bereits Ende August bzw. Anfang September durchgeführt werden - also zwei bis drei Wochen früher als in einem Durchschnittsjahr.
Aromaausbildung
Die große Hitze habe dem Wein nicht geschadet, hieß es. Speziell bis Ende Juni hätten die Reben einen Reifevorsprung gehabt, der durch die Hitze gestoppt worden sei: "Im Grunde tun Trauben bei großer Hitze genau das Gleiche wie wir, wenn wir in der Sonne liegen - nämlich gar nichts mehr", sagte Staggl. Für das Aroma besonders zuträglich seien die nun vorherrschenden kühlen Nächte und Sonne unter Tags.
Blick in den Süden
In Italien, im vergangenen Jahr erstmals seit langem größter Weinproduzent Europas, begann die Weinlese zum Teil bereits Anfang August. Eine so frühzeitige Ernte ist seit 30 Jahren nicht mehr registriert worden, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica". Italiens Winzer erwarten eine gute Ernte. (APA/red)